Urteilsspruch

Lebenslange Haft für Ali Bashar im Mordfall der 14-jährigen Susanna

Das Opfer: Die 14-jährige Schülerin Susanna wurde am 23. Mai 2018 vergewaltigt und ermordet

Im Prozess um die Vergewaltigung und dem Mord an der 14-jährigen Schülerin Susanna wird Ali Bashar zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Richter stellten am Mittwoch in ihrem Urteil zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit für den Iraker so gut wie ausgeschlossen. In einem weiteren Prozess muss sich Ali Bashar wegen der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens verantworten.

Aus Sicht des Gerichts hat Ali Bashar in seinem Prozess kein ernstzunehmendes Wort des Bedauerns geäußert. Er habe weder Reue noch Mitgefühl gezeigt, hieß es am Mittwoch in der Urteilsbegründung des Wiesbadener Landgerichts. »Eine Verantwortungsübernahme hätte das Geschehene nicht ungeschehen machen können«, so der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk. Sie hätte aber Susannas Mutter die Chance gegeben, einen Neuanfang in einem Leben ohne ihre Tochter zu erreichen. Dazu sei der Angeklagte jedoch nicht bereit oder in der Lage gewesen.

Vor Gericht zeigt Ali Bashar weder Reue noch Mitgefühl

Richter zollt Mutter des Opfers Respekt

Weder Susannas Mutter noch die Freundinnen des Mädchens müssten sich vorwerfen lassen, irgendetwas falsch gemacht zu haben. Am Ende des Prozesses stehe eines unumstößlich fest, sagt Bonk an Ali Bashar gewandt: »Allein Sie, niemand anderes, trägt die Schuld am Tod von Susanna.« Ausdrücklich würdigte er das Verhalten von Susannas Mutter und ihre Zeugenaussage, die ihm persönlich Respekt abnötige. Damit sei es ihr eindrücklich gelungen, Spekulationen über Susannas Lebenswandel und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auszuräumen.

Das Landgericht sah es als erwiesen, dass der 22-jährige Bashar die Schülerin Susanna vor mehr als einem Jahr in einem Waldgebiet in der Nähe des Wiesbadener Stadtteils Erbenheim vergewaltigt und ermordet hat. Die Leiche des Mädchens aus Mainz war am 6. Juni 2018 in einem Erdloch in der Nähe von Bahngleisen gefunden worden. Rund zwei Wochen nach dem Verschwinden von Susanna waren die Einsatzkräfte nach einem Zeugenhinweis auf das Versteck mit dem toten Mädchen gestoßen.

Kurz nach dem Tod von Susanna hatte sich der abgelehnte Asylbewerber mit seiner Familie in seine Heimat abgesetzt. Im kurdisch kontrollierten Nordirak wurde er jedoch wenige Tage danach gefasst und von der Bundespolizei nach Deutschland zurückgebracht. Der Fall hatte eine bundesweite Debatte um die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ausgelöst.

Mit dem Urteilsspruch folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Vertreter der Anklage hatten dem als Flüchtling titulierten Iraker vorgeworfen, Susanna erwürgt zu haben, um die Vergewaltigung zu verdecken. Er habe kaltblütig, zielgerichtet und heimtückisch gehandelt. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt. Ali Bashar hatte zum Prozessauftakt gestanden, das 14-jährige Mädchen umgebracht zu haben. Die Vergewaltigung bestritt er.

Der Mörder war im Zuge von Merkels Grenzöffnung 2015 nach Deutschland gekommen und durfte trotz abgelehnten Asylantrags bleiben

Asylantrag abgelehnt, dennoch durfte er hierbleiben

Ali Bashar ist in Kurdistan zusammen mit acht Geschwistern aufgewachsen. Dort ging er fünf Jahre zur Schule, wobei er zwei Klassenstufen wiederholte und später weder eine Lehre noch irgendeinen Beruf ausübte. Im Herbst 2015 kam die komplette Familie ohne Ausweispapiere nach Deutschland. Auf die Frage des Richters, warum er hier Asyl beantragt habe, antwortete Bashar: »Ich weiß nicht, was der Grund war.«

Nach Überzeugung der deutschen Behörden gab es keinen Grund. Sie lehnten den Asylantrag ab. Bashar klagte dagegen und durfte bis zu einer rechtskräftigen Gerichtsentscheidung bleiben. Fast zweieinhalb Jahre lang reagierten die Behörden jedoch nicht und Bashar lebte in Deutschland auf Steuerzahlerkosten. Einen Deutschkurs brach der abgelehnte Asylbewerber ab, weil er dazu »keine Lust hatte«. Seine Zeit verbrachte er laut einem Prozessbeobachter, indem er jeden Tag bis mittags schlief, mit seiner Clique, die aus Arabern, Afghanen, Syrern und Türken bestand, durch die Stadt streifte und Drogen und Alkohol konsumierte. Bis er laut Staatsanwaltschaft die 14-jährige Schülerin Susanna am 23. Mai 2018 vergewaltigte und ermordete.

Ali Bashar ist in einem weiteren Prozess angeklagt. Gemeinsam mit seinem etwa 14-jährigen Freund Mansoor Q. soll Ali Bashar eine Elfjährige mehrmals vergewaltigt haben. Diese Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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