Urwahl gefordert:

»WerteUnion« will Kanzlerkandidaten von Mitgliedern wählen lassen

Soll die Parteibasis den nächsten CDU-Kanzlerkandidaten bestimmen?

Die konservative Werte-Union in der CDU/CSU will angesichts der »verheerenden Umfragewerte« eine Initiative für eine Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten starten. Unionsfraktionschef Brinkhaus ist jedoch davon überzeugt, dass Kramp-Karrenbauer nächste Kanzlerkandidatin der Union werden wird.

Eine Gruppe konservativer Politiker von CDU und CSU der »WerteUnion« will den nächsten Kanzlerkandidaten in der Union von den Mitgliedern per Urwahl bestimmen. Sie kündigte dazu eine »kurzfristige Initiative an«, so der Bundesvorsitzende der »WerteUnion« Alexander Mitsch gegenüber der ›Welt‹. Die Große Koalition sei gescheitert, »sowohl inhaltlich als auch in den Augen der Bürger, und es droht Rot-Rot-Grün«. Das würden die verheerenden Umfragewerte widerspiegeln. Mitsch sagte: »Die Trendwende erreichen wir erst, wenn die CDU wieder klarmacht, wofür und wogegen sie steht – notfalls in einer Minderheitsregierung unter neuer Führung.«

Nach dem Wahldesaster der CDU bei der EU-Wahl sowie der Kritik am Umgang der Parteizentrale mit dem grünen Wahlwerbevideo des Youtubers Rezo war die Eignung Kramp-Karrenbauers für das Kanzleramt infrage gestellt worden.

Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) ist davon überzeugt, dass CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nächste Kanzlerkandidatin der Union wird. Auf die Frage, ob Kramp-Karrenbauer rasch ins Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wechseln solle, sagte er der ›Deutschen Presse-Agentur‹ in Berlin, die Vorsitzende habe viel zu tun mit der Neuaufstellung der CDU. Brinkhaus ergänzte: »Und sie wird auch unsere nächste Kanzlerkandidatin sein. Insofern ist das ihre Entscheidung, was der beste Weg dafür ist.«

Aus Sicht des stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Armin Laschet – der eine eigene Kanzlerkandidatur nicht ausschließt – ist jedoch noch nicht die Zeit gekommen, um über die nächste Kanzlerkandidatur zu entscheiden. »Annegret Kramp-Karrenbauer hat vorgeschlagen, die Kanzlerkandidatur auf dem CDU-Parteitag Ende 2020 zu entscheiden. Ende 2020 ist nicht heute und nicht jetzt«, meinte Laschet gegenüber der ›Welt‹ (der Deutschland Kurier berichtete).

Die »WerteUnion« ist keine Parteiorganisation, sondern eine Gruppierung von konservativen CDU- und CSU-Mitgliedern sowie der Union Nahestehenden mit rund 2.000 Mitgliedern. Der frühere Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen und der Politikwissenschaftler Werner Patzelt waren im Februar der »WerteUnion« beigetreten. Die CDU-Spitze hatte im August des vergangenen Jahres Parteigruppierungen wie die »WerteUnion« oder der »Union der Mitte« die offizielle Anerkennung verweigert. Es bestehe Konsens, dass es neben den bestehenden Gruppen »keine Sonderorganisationen« geben soll, teilte Kramp-Karrenbauer damals mit.

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