US-Wirtschaftspresse

Abgesang auf das »deutsche Wunder«

»Deutschlands zerbrechliche Zukunft«: Cover der aktuellen ›Businessweek‹

Die amerikanische Zeitschrift ›Businessweek‹ widmet Deutschlands Wirtschaft eine große Titelgeschichte. Das Urteil ist vernichtend.

Es kommt nicht oft vor, dass Deutschland in englischsprachigen Magazinen Topthema ist. Am Freitag schaffte es Merkel-Land nach längerer Zeit wieder auf den Titel eines großen englischsprachigen Wirtschaftsblattes:

»Germany’s fragile future« steht auf der aktuellen Ausgabe der ›Businessweek‹ – was so viel heißt wie »Deutschlands zerbrechliche Zukunft.«

Das New Yorker Magazin, für das mehr als 2.000 Journalisten in über 70 Ländern arbeiten, zählt zur »Bloomberg«-Mediengruppe und ist eines der wichtigsten internationalen Fachhefte. Der Artikel ist ein einziger Abgesang auf das einstige Wirtschaftswunderland. Sozialleistung gehe vor Leistung!

»Deutschland fühlt sich heute so an, als würde es die letzten Tage einer Ära erleben«, heißt es schon im Leitartikel zur Hauptstory. Es gebe eine Atmosphäre bevorstehender Veränderungen, auf die niemand vorbereitet scheine. Das Land bleibe zwar wohlhabend und politisch stabil. »Aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Deutschen selbstzufrieden die Bedrohungen für die Grundlagen ihres Wohlstands übersehen.« In Deutschland habe es »definitiv angefangen zu regnen«.

Laut ›Businessweek‹ ist die »technologische Revolution«, die sich derzeit in der Automobilbranche vollzieht, entscheidend für Deutschlands Zukunft. Diese bedeute das Ende des Verbrennungsmotors. Die deutschen Hersteller hätten die Entwicklung allerdings weitgehend verschlafen. Das lasse »Zweifel aufkommen, wie lange Deutschland angesichts der Konkurrenz aus China und anderen Ländern seine Dominanz auf dem Weltmarkt für Luxusautos behaupten kann«.

Weltspitze ist Deutschland indes weiter bei der Steuer- und Abgabenlast. Nur ein Land (Belgien) zieht laut einer neuen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einem Durchschnittsverdiener mehr vom Brutto ab. In Deutschland lag der durchschnittliche Steuersatz für einen alleinstehenden Arbeitnehmer demnach 2018 bei 39,7 Prozent. Gemeint ist die Nettosteuer, in die Vergünstigungen wie etwa Pauschbeträge bereits eingerechnet sind. Im OECD-Schnitt lag die Belastung bei 25,5 Prozent.

Oder anders gerechnet: Einem normalen Berufstätigen (Single) bleiben hierzulande gerade einmal 60,3 Prozent von seinem Bruttoeinkommen, während es im Durchschnitt aller Industrieländer im Schnitt 74,5 Prozent sind! (hh)

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