Verlag braucht dringend frisches Geld

US-Finanzinvestor steigt bei »Axel Springer« ein

Abverkauf bei »Axel Springer«: Nach einer gleich doppelten Gewinn-Warnung für dieses und vorsorglich auch das kommende Jahr droht dem Berliner Verlagshaus (›Bild‹, ›Welt‹) offenbar die finanzielle Puste auszugehen. Vorstandschef Mathias Döpfner braucht dringend frisches Geld für seine digitalen Luftschlösser. Ein US-Finanzinvestor soll‘s richten.

Für das Verlagshaus »Axel Springer« war die ›Bild‹-Zeitung einmal so etwas wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Die Zeiten sind lange vorbei. Spätestens seit der unsäglichen »Refugees Welcome«-Kampagne ist die Auflage im freien Fall. Um die zehn Prozent Auflagenminus meldet das einstige Boulevard-Dickschiff von Quartal zu Quartal (jeweils im Vorjahresvergleich).

Von zu besten Zeiten fünf Millionen verkauften Zeitungen sind heute nur noch magere 1,3 Millionen übriggeblieben. Und selbst diese Zahl ist noch geschönt, weil die kümmerliche Restauflage der Berliner ›B.Z.‹ den ›Bild‹-Verkäufen zugeschlagen wird. Das inhaltlich immer belanglosere Mainstream-Blatt steuert derweil stramm auf die nächste Unterbietungsmarke von weniger als einer Million an den Leser gebrachten Exemplaren zu.

Die defizitäre Printausgabe der ›Welt‹ erscheint inzwischen so gut wie unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Abos und Einzelverkäufe brachen zuletzt um heftige 17 Prozent ein. Nur noch rund 70.000 ehrliche Käufer fand das Springer-Blatt ausweislich der jüngsten Quartalszahlen.

Das Tafelsilber des Verlages, die Regionalmarken ›Hamburger Abendblatt‹ und ›Berliner Morgenpost‹ sowie die einst überaus erfolgreiche und beliebte Familien-Programmzeitschrift ›Hörzu‹ hat Vorstandschef Mathias Döpfner längst an einen textverarbeitenden Betrieb namens »Funke Mediengruppe« verhökert. Auch ein großer Teil der Verlagsimmobilien wurde zu Geld gemacht.

Trotz seiner zwei Meter Körpergröße scheint dem Springer-Vorstandsvorsitzenden das Wasser bis zum Hals zu stehen. Die Digitalerlöse reichen nämlich längst nicht mehr aus, um die nur noch mageren Printerlöse aufzufangen. Gleichzeitig träumt Döpfner von immer höheren digitalen Luftschlössern wie etwa dem Zukauf des Kleinanzeigen-Portals von »Ebay«. Doch woher dafür die Milliarden nehmen?

Döpfner hat einen Geldgeber gefunden. Jetzt will der US- Finanzinvestor »KKR« beim Springer-Verlag einsteigen. Die US-Firma bietet 63 Euro je Aktie. Die Aktie war zuletzt im März auf ein Jahrestief von 44 Euro zurückgefallen. Mit dem Einstieg von »KKR« wolle Springer das Wachstum und die Investitionsvorhaben sichern, bramarbasiert der um wohlklingende Worte nie verlegene Springer-Chef. Mit Hilfe der amerikanischen Geldgeber werde der Konzern »in weitere Wachstumsprojekte« investieren.

Der US- Finanzinvestor ist zuversichtlich, dass er mindestens 20 Prozent der Anteile von freien Aktionären bekommen werde. Diese Quote ist überhaupt auch Voraussetzung für das Engagement.

Eine der mächtigsten und reichsten Frauen Deutschlands: Friede Springer bei der Hauptversammlung der Axel Springer SE

Der Verlag teilte mit: Die Verlegerwitwe Friede Springer werde ihren Anteil von 42,6 Prozent behalten. Auch Vorstandschef Döpfner werde seinen ihm überwiegend von der Witwe geschenkten Anteil von 2,8 Prozent nicht abgeben.

Allerdings: Ob die beiden Enkel des 1985 verstorbenen Unternehmensgründers Axel Cäsar Springer ihre Anteile von jeweils rund 10 Prozent verkaufen werden, ist noch unklar. Weitere knapp 45 Prozent der Springer-Aktien sind im Streubesitz.

Die Verlegerwitwe solle aber in jedem Fall ein Vetorecht haben bei strategischen Unternehmensentscheidungen, betonte der Verlag. Allerdings werde der US-Investor »eine angemessene Vertretung im Aufsichtsrat von Axel Springer anstreben«, hieß es seitens des Verlages weiter.

Als die Nachricht vom Einstieg der Amerikaner vergangene Woche bekannt wurde, zog die zuletzt auf Talfahrt befindliche Springer-Aktie deutlich an. Doch Insider bleiben skeptisch. Der Verlag sei nach fast 20 Döpfner-Jahren »innerlich ausgeblutet«, sagen Insider. Dazu habe maßgeblich beigetragen, dass Springer unter dem von der Witwe geradezu vergötterten Vorstandschef seinen konservativen Markenkern verloren habe.

Vor allem auch Döpfners Personalentscheidungen bezüglich der Besetzung von Chefredakteursposten seien »nicht nachvollziehbar« gewesen. Alte Springer-Haudegen schütteln nur noch den Kopf, wenn sie daran denken, wie sich der Auflagen-Vernichter Kai Diekmann 15 Jahre lang in der ›Bild‹-Zeitung mit penetranter Helmut Kohl-Vergötterung, neoliberaler Lobhudelei und der zuletzt leserverblödenden »Refugees Welcome«-Kampagne austoben konnte.

Es könnte aber noch einen Grund geben, außer neues Kapital zu mobilisieren, warum der Springer-Vorstandschef auf den US-Investor »KKR« setzt:

Sollte es Döpfner gelingen, den Konzern von der Börse zu nehmen oder wenigstens aus dem MDAX auszuscheiden, wäre er den einzigen von ihm nicht bestimmbaren Indikator für seinen wirtschaftlichen Misserfolg los: den Aktienkurs! Hintergrund: Wird nämlich der freie Aktienanteil von Springer durch den Einstieg des Großinvestors »KKR« so klein, dass es für den MDAX oder SDAX nicht mehr reicht, gibt es zwar noch einen Kurs, aber Döpfner wäre die Analysten, die er in den letzten Jahren immer schwieriger blenden konnte, los. Denn die nehmen nur Index-Unternehmen unter die Lupe. (hh/lol)

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