Verurteilter DDR-Chef lobt jetzt Merkel:

Die spitze Feder aus Sachsen

Johannes Schüller

Ohne Zweifel: Für Zuspruch von der falschen Seite kann man die gelobte Person selbst kaum verantwortlich machen. Nachdenklich stimmen sollte es indes trotzdem, wer bei der Asylpolitik der Masseneinwanderungskanzlerin Angela Merkel so alles unverhohlene Begeisterung zeigt. »Die Entscheidung, die sie im Zusammenhang mit den Flüchtlingen getroffen hat, hätte ich genauso getroffen. Das ist eine humanistische Frage«, erklärte nun der letzte DDR-Staatsratsvorsitzende Egon Krenz, der ausgerechnet zum 30. Jahrestag des Mauerfalls wieder an die Öffentlichkeit darf, in einem Interview mit der ›Berliner Zeitung‹ zu Merkels Politik.

»Erstklassige Ausbildung« Merkels in der DDR

Krenz, der einst als Mitverantwortlicher des DDR-Grenzregimes wegen Totschlags an vier DDR-Flüchtlingen verurteilt wurde, übt sich sogleich auch in Gedankenspielen. »In der DDR hätten wir das aber ideologisch und politisch anders vorbereitet. Wir hätten die Gemeinden bei der Meisterung der Aufgabe nicht so allein gelassen«, betont der ehemalige SED-Generalsekretär stolz. Was Merkels grundsätzliche Befähigung zur Staatsführung betrifft, scheint Krenz indes keine grundsätzlichen Zweifel zu hegen. »Im Übrigen glaube ich, die erstklassige Ausbildung, die sie an den Schulen und Universitäten der DDR erhalten hat, wird ihr beim Regieren schon geholfen haben«, merkt er zu Merkel stolz an. Diese Äußerung sorgt – angesichts von Merkels Laufbahn in der DDR – für ein kurzes Schaudern. Denn die heutige Masseneinwanderungskanzlerin war an ihrer Schule nicht nur stellvertretende FDJ-Sekretärin, sondern erhielt in der 10. Klasse auch die Lessing-Medaille in Silber. Diese wurde im DDR-Regime unter anderem für eine vorbildliche parteiliche Haltung oder aber »soziales Engagement« verliehen.

Merkel stößt Ostdeutsche vor den Kopf

Wie gerne Merkel dem restlichen politischen Establishment gefällt, zeigte sich auch jüngst bei den Feierlichkeiten zum 9. November 1989. Anstatt an diesem für die deutsche Geschichte im guten wie im schlechten Sinne schicksalhaften Tag zuerst an ein positives, in die Zukunft gewandtes Nationalbewusstsein zu appellieren, schwang sie in der Berliner Kapelle der Versöhnung mit voller Wucht die Nazikeule und warnte – ganz im Stile einer tibetischen Gebetsmühle – vor »Hass und Rassismus und Antisemitismus«. Auf den Emporen der politischen Funktionseliten war ihr für dafür der Applaus sicher. Zahlreiche Ostdeutsche, die den 9. November 1989 selbst erlebt hatten, dürften bei so viel Themenverfehlung indes nur fassungslos den Kopf geschüttelt haben. Auf offene Ohren könnte Merkel dagegen bei Krenz gestoßen sein. Denn der erklärte DDR-Versteher warnte im Interview mit der ›Berliner Zeitung‹ ebenso vor einem vermeintlich »aufkeimenden Faschismus« – und schimpft wie ein Rohrspatz gegen die AfD. Vielleicht kann er Merkel noch ein paar Unterrichtsstunden erteilen?

Johannes Schüller

ist Journalist und Publizist. Er baute zuletzt als Online-Chefredakteur die Netzausgabe der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹ auf. Nach einem längeren Aufenthalt in Österreich lebt er nun wieder in seiner sächsischen Heimat.

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