Volkswagen-Chef unter Beschuss

VW-Aktionäre rebellieren gegen das verordnete Elektroauto

Volkswagen-Chef Herbert Diess posiert während der VW-Hauptversammlung vor dem Hybrid-Fahrzeug »Passat GTE Variant«: Viele Aktionäre sehen die Elektromobilität sehr kritisch

Die Ankündigung von Volkswagen, eine oder mehrere Batteriefabriken zu kaufen, kam bei Kleinaktionären und Vertretern institutioneller Anleger am Dienstag beim Aktionärstreffen in Berlin nicht gut an. Viele der Aktionäre stellen die Entscheidung für das Elektroauto grundsätzlich infrage.

»Auf absehbare Zeit gibt es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb«, so Volkswagen-Chef Herbert Diess zum Auftakt des Aktionärstreffens am Dienstag in Berlin. Doch die Ankündigung des Konzerns, in Salzgitter mit dem schwedischen Start-up Northvolt eine Batteriezellfertigung aufzubauen wie auch das Hohelied auf batteriezellenbetriebene Fahrzeuge stieß bei den Kleinaktionären und Vertretern institutioneller Anleger nicht auf Gegenliebe. Viele glauben nicht, dass Fahrzeuge mit Batterieantrieb die Zukunft des Automobils und von VW sind.

»Ich weiß nicht, ob die Leute diese Autos auch kaufen werden«, so ein Kleinaktionär, der damit die begrenzte Reichweite und die langen Ladezeiten der Elektrofahrzeuge thematisiert.

Andere Kleinanleger halten das Batterieauto für eine Übergangstechnologie. »Am Ende wird sich das Brennstoffzellenauto durchsetzen«, so ein Kritiker, der zu bedenken gibt: »Wasserstoff gibt es ausreichend, und in den Batterien für die Stromer sind einfach zu viele Schadstoffe.« Deshalb dürfe man die Forschung an der Brennstoffzellentechnik nicht vernachlässigen, so seine Forderung.

Auch die Vertreter institutioneller Anleger stellten kritische Nachfragen zur Batterietechnik an Aufsichtsrat und Vorstand und bezweifelten, dass Autos mit Voltspeichern so umweltverträglich sind wie angepriesen. Akkus von Batteriefahrzeugen enthalten Lithium. Die Förderung dieses Leichtmetalls richte massive Umweltschäden an, wie beispielhaft in großen Lagerstätten in Chile zu sehen sei, so Hendrik Schmidt vom Vermögensverwalter DWS. Die Förderung belaste das Grundwasser. »Und wir wissen, dass sich der weltweite Abbau von Lithium bis 2025 verdreifachen soll«, so die Warnung.

»Die Batterien der Stromer enthalten rund zehn Kilo Kobalt. Welche Maßnahmen treffen Sie, dass dieser Rohstoff ohne Menschenrechtsverstöße abgebaut wird?«, lautete eine weitere Frage an die VW-Spitze. Zwei Drittel des Kobalts, das derzeit für Akkus von Batterieautos verwendet wird, fördern große Minenkonzerne im Kongo – zum Teil unter menschenunwürdigen Umständen. Vorgeworfen wird den Abnehmern außerdem, dass man an den Rohstoff nur mittels Bestechung und Förderung der Korruption komme. »Will Volkswagen nach dem Dieselskandal einen Kobaltskandal riskieren?«, so die Nachfrage. Die Beteuerungen des Konzerns, umweltverträglichere Batterien bauen zu wollen und den Anteil von Kobalt in den Batterien zu reduzieren mit dem Endziel, kobaltfreie Batteriezellen zu entwickeln, schienen die Anleger nicht zu überzeugen.

Was auf der Hauptversammlung an Ausstellungsautos gezeigt werde, sei ein »Witz«. »Wo ist das günstige Elektroauto, das VW immer wieder verspricht?«, so die Frage. »Die sind zu teuer. Die Leute müssen sich ein solches Auto auch leisten können. Volkswagen muss weiter bezahlbare Pkw bauen, Autos fürs Volk«, heißt es aus Kleinaktionärskreisen weiter.  Ein Batterieauto zum Neupreis von 12.000 Euro sei kaum vorstellbar.

Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), fasste die Stimmung der Aktionäre laut ›Welt-Online‹ mit einer Frage an den Aufsichtsrat und Vorstand zusammen: »Was macht Sie eigentlich so sicher, dass das Elektroauto die richtige Alternative ist?« VW-Chef Diess blieb die Antwort nicht schuldig und antwortete ganz im Sinne des politisch ausgerufenen Energiewandels: Batterieautos seien »der effizienteste Weg, die CO2-Flottenziele zu erreichen«. Überzeugende Argumente klingen anders.

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