Von der Notwendigkeit eines gesunden Patriotismus

 

Zu Beginn eine Anekdote: Im Anschluss einer Podiumsdiskussion fragte mich vor geraumer Zeit ein Jugendlicher, was ich denn mit dem Wort Patriotismus gemeint hätte. Ich stockte einige Sekunden und versuchte ihm dann den Sinngehalt in wenigen Worten zu erläutern. Was sagt uns aber dieses kleine Beispiel? Die Liebe zum Vaterland bedarf im Deutschland unserer Tage immer noch der Erklärung. Der Patriotismus – kann er uns heute noch etwas sagen? Was in den allermeisten Nationalstaaten der Erde eine natürliche Selbstverständlichkeit darstellt, ist in Deutschland ein immer noch umkämpfter Begriff.

Die verkrampfte Sicht auf unser Eigenes muss aber einem realistischen Blick auf die Dinge weichen. Neben vielen emotionalen Aspekten gilt es nämlich eben auch darum, sich in der Welt selbstbewusst zu behaupten und dies jenseits von rein materialistischen Kategorien. Deutlich wird dies an der seit Jahren die Debatten durchziehenden behelfsmäßigen Begrifflichkeit des Verfassungspatriotismus. Aber braucht ein Gemeinwesen, wie es unsere Nation per Definition ja ist, nicht einen stärkeren Kitt als das Bekenntnis zu unserem Grundgesetz? Nach meiner Auffassung muss ein echter und gesunder Patriotismus mehr sein. Die Liebe zum Eigenen, die Zuneigung zum Vaterland, ist eben umfassender als die Akzeptanz zu einem Gesetzeswerk. Er muss das Wissen um unsere Herkunft und unseren wendevollen Gang durch die Geschichte beinhalten. Dies impliziert den Stolz auf die großartigen Momente, das Nachdenken über die Grautöne und sicher auch die Anerkenntnis großer Verbrechen. Daraus erwächst der Wille, das Wirken der Vorfahren zu verstehen und wenn nötig auch argumentativ zu verteidigen. Man erkennt also in schärferer Form als der emotional mit seiner Nation unverbundene Bürger, wer man ist und kann hierdurch dem Leben eine größere Spannweite und Tiefe geben, als dies in einem einzelnen Menschenleben der Fall sein kann, welches jegliche Brücken in die Vergangenheit abgebrochen hat und nur im Moment lebt. Wir sind eben alle die Glieder einer Kette, so kann man hier festhalten.

Allerdings darf man es nicht beim Blick in die Vergangenheit bewenden lassen, denn wir haben Politik für die Zukunft zu gestalten. Dazu gehört auch eine schonungslose Analyse der Gegenwart, um für das Kommende gewappnet zu sein und die richtigen Ziele anzustreben. Ein Patriot sorgt sich also um sein Land, wie sich ein guter Vater um seine Kinder sorgt. Auch Strenge kann geboten sein, aber natürlich grundiert von der Zuneigung zu den Menschen, für die man Verantwortung trägt – zur Familie und seinen Landsleuten. Diese Sorge um das Gemeinwohl führt bei vielen authentischen Patrioten in der Folge zu einem teils uneigennützig geprägten Engagement für ihr Land, im äußersten Fall umfasst dies bei Staatsdienern oder Soldaten sogar den Einsatz des eigenen Lebens. Auch ganz pragmatisch gesehen, kann eine Gesellschaft kaum auf dieses Potenzial an überzeugten Patrioten verzichten, die gemeinschaftliche Werte über das individuelle Nützlichkeitsdenken stellen. Opferbereitschaft ist ein Merkmal von Patriotismus – also auch seine eigenen Interessen dem Vaterland unterordnen zu können. Es sollen aber auch die unbeschwerten Seiten wie die Liebe zu unserer Natur, der Kultur und Sprache und die Freude über Erfolge in Sport und Wirtschaft nicht vergessen werden, die den Einzelnen auch in persönlich schweren Momenten aufbauen können und ihm Kraft und Zuversicht geben. Des Weiteren ist die Abstammung und Verbindung zu den Vorfahren sicher ein Faktor, aber kein ausschließliches Kriterium. Denn ein gesunder Patriotismus darf gegenüber fremdstämmigen deutschen Bürgern nicht ausgrenzend wirken und muss ihnen die Chance geben, ein Teil des Vaterlandes zu sein. In diesem Sinne ist es wichtig und zentral, daran zu erinnern, dass Patriotismus und das Bekenntnis zu unserem europäischen Erbe sich nicht ausschließen, sondern bedingen.

Von Fabian Flecken, Freier Autor, Diplom-Betriebswirt und AfD-Mitglied

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