Der Entmachtung 1. Teil:

VW-Chef Diess muss Pkw-Geschäft abgeben

Unter Druck: VW-Chef Herbert Diess fährt den Wolfsburger Konzern mit seinem E-Auto-Kurs vor die Wand

Im Machtkampf bei VW gibt Konzernchef Herbert Diess die Leitung der Kernmarke »Volkswagen Pkw« zum 1. Juli ab. Dann werde Ralf Brandstätter diese Funktion übernehmen, teilte der Aufsichtsrat am Montagabend mit. Diess erhalte »damit mehr Freiraum für seine Aufgaben als Konzernchef«, hieß es beschönigend. Im Klartext: ein Rücktritt auf Raten!

Hintergrund ist ein Machtkampf mit dem Betriebsrat. Die übertriebene Digitalisierung der VW-Autos habe dazu geführt, dass der Golf 8 und der Vorzeige-Elektrowagen ID.3 nicht funktionieren würden, hatte die Belegschaft von »Volkswagen« in einem offenen Brandbrief an Aufsichtsrat und Vorstand kritisiert (der Deutschland-Kurier berichtete). Darin nahmen IG-Metall-Vertreter der deutschen VW-Werke die technischen Probleme beim neuen Golf 8, aber auch beim Elektroauto ID.3 zum Anlass, der Konzernspitze Versagen vorzuwerfen. »Dieses schlechte Bild in der Öffentlichkeit zerstört das über Jahrzehnte gewachsene Kundenvertrauen und gefährdet so unsere Arbeitsplätze«, hieß es in dem Schreiben. Mit Blick auf den von Diess forcierten E-Auto-Hype brodelt es Branchenkreisen zufolge besonders heftig in Wolfsburg. Der Konzern fahre damit »frontal vor die Wand«, heißt es in Betriebsratskreisen.

Sollte der Elektro-VW wie erwartet floppen, dürften auch die mächtigen Anteilseigner der Familien Porsche und Piëch mit ihrer Geduld am Ende sein.

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