Wahlkampfgetöse in der Schweiz

»Mit der Präzision einer Fernlenkwaffe«

Grosser Aufreger: Wahlplakat der Schweizer Volkspartei

Normalerweise ist der Wahlkampf in der Schweiz so spannend wie ein abgelaufener Emmentaler Käse: langweilig und bieder. Doch mit ihrer neuen Plakatkampagne ist es der größten und wählerstärksten Schweizer Partei, der Schweizerischen Volkspartei (SVP), gelungen, den flauen Wahlkampf aufzumischen. Die SVP hat wieder einmal einen wunden Punkt gefunden, der die politischen Gegner und die Medien aufheulen lässt – nur die EU hat sich noch nicht gemeldet.

»Der Provokationsangriff der SVP hat mit der Präzision einer Fernlenkwaffe eingeschlagen«, schreibt ›Weltwoche‹-Herausgeber und Chefredaktor Roger Köppel in seinem Editorial zur neuen Kampagne der Schweizerischen Volkspartei. Was ist in unserem beschaulichen Nachbarland passiert?

Die braven Eidgenossen wählen am kommenden 20. Oktober ihren National- und Ständerat, die unserem Bundestag und Bundesrat entsprechen. Normalerweise interessieren die Wahlen kaum jemanden, da die Schweizer bekanntlich viermal im Jahr über sachpolitische Themen entscheiden können. Diese sind dann wesentlich umkämpfter, da es nicht um Köpfe, sondern um konkrete Gesetze geht (z. B. EU-Beitritt, Einschränkung der Zuwanderung, Steuererhöhungen oder -senkungen, etc.).

Die neue Plakatkampagne der SVP zeigt einen saftigen Apfel, versehen mit einer Schweizer Fahne als Aufkleber. Der Apfel soll den Schweizer Wohlstand und seine Prosperität zeigen. Der knackige Apfel wird jedoch von gefräßigen Raupen angefressen. Die Raupen haben die Farben gelb, grün, rot, blau – die Farben der politischen Konkurrenz. Ein Schelm, der dahinter eine Anspielung sieht. Eine eklige Raupe trägt die Sterne der EU. Dazu ist das Plakat mit der Botschaft versehen: »Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?«

Die Volkspartei greift damit die Politik der Linken und Mitteparteien an, immer mehr Ausländer und Flüchtlinge ins Land zu lassen, den Mittelstand mit immer höheren und zusätzlichen Abgaben und Gebühren zu drangsalieren und vor allem das Bestreben, die Schweiz weiter an die EU zu binden, was mittelfristig zu einer Aufgabe der direkten Demokratie, von Freiheit und Unabhängigkeit für das Alpenland führen würde.

Das Plakat ließ sowohl die angesprochenen politischen Parteien als auch die Medien aufheulen: »Schlechter Stil«, »Nazi-Bildsprache« waren nur einige der zahlreichen Kommentare. Die politischen Talkshows, Kolumnen und Leserbriefspalten oder Online-Plattformen beschäftigen sich jedoch seit Erscheinen des Plakates fast ausschließlich nur noch mit der SVP und ihrem Angriff. Die bislang tonangebende Diskussion über den Klimawandel, die vor allem den beiden grünen Parteien in der Schweiz in die Taschen spielte, steht nun nicht mehr im Rampenlicht. Und genau das war das Ziel der SVP-Kampagne.

Würden Sie ein solches Plakat in Deutschland begrüßen?

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