Was bedeutet das für die Anleger?

Notenbanken kündigen Goldabkommen auf

Regale mit Goldbarren in der Deutschen Bank in Frankfurt: Die Nachfrage nach dem Edelmetall steigt nun auch offensichtlich bei den Notenbanken

Die am sogenannten Goldabkommen beteiligten europäischen Notenbanken fallen dadurch auf, dass sie im Gegensatz zu anderen globalen Playern seit Jahrzehnten keine größeren Mengen Gold kaufen. Dies könnte sich nach dem jetzt überraschend aufgekündigten Abkommen ändern.

Am Freitag hat die »Europäische Zentralbank« (EZB) in Frankfurt überraschend mitgeteilt, dass die 21 Unterzeichner des vierten Goldabkommens der Zentralbanken (CBGA), darunter die Deutsche Bundesbank, keinen Sinn mehr in dem Abkommen sehen. Daher hätten sie beschlossen, das Abkommen nach seinem Auslaufen am 26. September 2019 nicht weiter zu verlängern.

Das erste solche Goldabkommen der Zentralbanken des Euroraums, der schwedischen Reichsbank und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) war im Jahr 1999 unterzeichnet worden, um die geplanten Goldverkäufe mehrerer Zentralbanken zu koordinieren. In der Folge wurde es alle fünf Jahre erneuert.

In den 90er- und frühen 2000er-Jahren verkauften mehrere Zentralbanken im großem Umfang Gold. Zu den größten Goldverkäufern in den Jahren 2000 bis 2011 gehörten die Schweiz, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Spanien.

So verkaufte Großbritannien ab 1999 unter Premierminister Gordon Brown 401 seiner insgesamt 715 Tonnen Gold auf dem Tiefpunkt des Marktes. Dies war eine der schlechtesten finanziellen Entscheidungen in der Geschichte des Landes und brachte dem Steuerzahler Milliardenverluste.

Warum überhaupt das Goldabkommen?

Das Goldabkommen sollte verhindern, dass Zentralbanken gleichzeitig Gold verkaufen und dadurch noch schlechtere Preise erhalten würden. Doch nun wird das Abkommen nicht mehr benötigt. Denn zuletzt haben die Zentralbanken nicht nur kein Gold verkauft, sondern es in einem beispiellosen Tempo gekauft.

Im vergangenen Jahr haben Zentralbanken weltweit so viel Gold gekauft wie zuletzt 1971. Und in den letzten vier Quartalen bis zum ersten Quartal 2019 waren die Goldkäufe der Zentralbanken so hoch wie nie zuvor in der Geschichte. In der Folge steht der Goldpreis (in Dollar) aktuell auf dem höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Vor diesem Hintergrund hat sich das Goldabkommen, das ursprünglich darauf abzielte, Verkäufe zu koordinieren, um eine Überschwemmung des Marktes zu vermeiden, quasi von selbst erledigt. Seit 2012 haben die am Abkommen beteiligten Zentralbanken keine nennenswerten Mengen Gold mehr verkauft.

In Anbetracht der historisch starken Goldnachfrage von Zentralbanken, allen voran Russlands, Chinas, Indiens, der Türkei sowie Polens und Ungarns, fällt allerdings auch auf, dass keine der 21 am Goldabkommen beteiligten europäischen Zentralbanken in den Jahren 1999 bis 2019 größere Mengen Gold gekauft hat.

Goldexperten spekulieren deshalb, dass die Unterzeichner des Goldabkommens neben der offiziellen Vereinbarung einen nichtöffentlichen Anhang vereinbart haben könnten, worin sie sich verpflichtet haben, dass sie auch keine Goldkäufe in einer signifikanten Größenordnung tätigen wollen. Das könnte sich jetzt drastisch ändern und würde den Goldpreis weiter anheizen. (hh)

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