Was der Wechsel an der EZB-Spitze für die Sparer bedeutet

Lagarde will das Bargeld abschaffen!

Der Volksmund weiß: »Nur Bares ist Wahres.« Aber wie lange noch? Die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde ist eine erklärte Gegnerin von Bargeld. Ihre Berufung könnte sich vor allem für die deutschen Sparer noch als verhängnisvoll erweisen.

Die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde (kl. Foto) ist eine erklärte Gegnerin des Bargelds: Ein Sturm auf die Geldautomaten (»Bank Run«) zur Rettung der eigenen Ersparnisse wäre bei einer rein digitalen Währung unmöglich

Die Reaktionen der Kapitalmärkte auf die Nominierung der Französin Christine Lagarde als Präsidentin der »Europäischen Zentralbank« (EZB) sind ein deutliches Zeichen: Die effektive Verzinsung von Staatsanleihen ist deutlich gefallen – was auf die Erwartung der Investoren hindeutet, dass die Nullzins-Politik der Ära von Amtsvorgänger Mario Draghi in die Verlängerung gehen dürfte – und das womöglich noch verschärft mit Minuszinsen.

Noch mehr alarmieren muss allerdings, wie sich Madame bisher als Präsidentin des »Internationalen Währungsfonds« (IWF) positioniert hat – nämlich als entschiedene Bargeld-Gegnerin.

Lagarde dürfte – so steht zu befürchten – an der EZB-Spitze Schritt für Schritt auf Reformen drängen, die auf eine Abschaffung oder mindestens eine starke Zurückdrängung der Bargeldbestände abzielen. Sie will, dass die europäischen Notenbanken stattdessen digitale Währungen einführen. Für die EU-Schuldenmacher sozusagen das goldene Ei: Sie müssen dann nicht einmal mehr die Notenpresse anwerfen!

Mehrfach hat die Französin, und neuerdings Macron-Vertraute, in ihren Reden als Chefin des »Internationalen Währungsfonds« (IWF) aus ihrer Abneigung gegen Bargeld kein Hehl gemacht. So zum Beispiel am 14. November 2018 vor dem »Singapore Fintech Festival«, wie die ›Deutschen Wirtschafts Nachrichten‹ dokumentieren.

Im Verlauf jener Rede stellte sie vor den versammelten Weltspitzen der Finanztechnologie (Fintech) die Nutzung von Bargeld infrage und unterstützte die Einführung von digitalen Währungen durch die Notenbanken.

 

»Wer will denn heute noch Bargeld?«

Lagarde führte demnach aus: »In den Schaufenstern steht bereits ›Bargeld wird nicht akzeptiert‹. Nicht nur in Skandinavien, dem Aushängeschild einer bargeldlosen Welt. Auch in verschiedenen anderen Ländern ist die Nachfrage nach Bargeld rückläufig – wie die jüngsten IWF-Untersuchungen gezeigt haben. Und wer wird in 10, 20, 30 Jahren noch Papierzettel austauschen? Denken Sie an die neuen spezialisierten Zahlungsanbieter, die E-Geld anbieten – von Alipay und WeChat in China über Paytm in Indien bis zu M-Pesa in Kenia. Diese Geldformen sind für die digitale Wirtschaft konzipiert.«

Lagarde warf auch die Frage auf, ob Notenbanken eine gänzlich neue digitale Währung herausgeben sollten: »Ein staatlich abgesicherter Token (Ersatzwährung) oder ein Konto, das direkt bei der Notenbank geführt wird und Personen und Unternehmen für Zahlungen an Privatkunden zur Verfügung steht – warum nicht?«

Die Einlagen bei Geschäftsbanken seien zwar bereits digital. Aber eine digitale Währung wäre »eine Verpflichtung des Staates – wie beim Bargeld – und nicht einer privaten Firma«, redete sich Lagarde ihr bargeldloses Traumschloss schön.

Digitale Währungen, schwärmte die IWF-Chefin weiter, hätten die Fähigkeit einer »finanziellen Inklusion, um Menschen und Unternehmen in abgelegenen und marginalisierten Regionen zu erreichen«. Bargeld sei an dieser Stelle »keine Option mehr«, behauptete Lagarde – wobei sie geflissentlich unterschlug, dass es gerade Bargeld ist, welches in abgelegenen Regionen als Zahlungsmittel verwendet wird, weil keine oder nur eine unzureichende Infrastruktur (Geldautomaten, Bankfilialen) besteht.

 

Die Angst vor dem großen Bankensturm

Im Hintergrund steht in Wahrheit etwas ganz anderes – die Angst vor einem »Bank Run« (Bankensturm) bei der nächsten Finanzkrise. Diese dürfte so sicher sein wie das Amen in der Kirche. Die Plünderung von Bargeldbeständen durch um ihre Einlagen bangende Bankkunden und Sparer wäre allerdings bei einer digitalen Währung praktisch ausgeschlossen.

Der US-Sender ›CNBC‹ berichtete unlängst, dass Lagarde als IWF-Chefin den Notenbanken von China, Kanada, Schweden und Uruguay eine Vorreiterrolle bei der Einführung von digitalen Währungen zuweisen wollte. Tatsächlich plante die schwedische Notenbank (»Riksbank«) sogar, ursprünglich noch in diesem Jahr, eine Pilotversion einer digitalen Währung namens »e-krona« einzuführen. Die schwedische Zentralbank stellte das Vorhaben inzwischen aber wieder zurück, weil sie fürchtet, dass ältere Menschen durch die aggressive Digitalisierung des Zahlungsverkehrs in Schweden (nur noch 13 Prozent der Schweden nutzen Bargeld) noch mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Es ist erst ein paar Wochen her, nämlich im April 2019, als Lagarde die Ansicht vertrat, dass Bargeld ohnehin immer knapper werde. Sie wies darauf hin, dass das Mobilfunkgeschäft im Aufwind sei und sogenannte Person-to-Person-Zahlungen (P2P) zu einem gigantischen Markt geworden wären, insbesondere in China, aber auch in Kenia und Europa.

 

China, China, China

Im Juni 2019 kritisierte Lagarde, dass Fintech-Firmen zahlreiche Finanzprodukte anbieten, die eine Instabilität im internationalen Finanzsystem auslösen könnten. »Eine erhebliche Störung der Finanz-Landschaft dürfte von den großen Technologieunternehmen ausgehen, die ihre enormen Kundenstämme nutzen, um Finanzprodukte auf der Basis von Big Data und künstlicher Intelligenz anzubieten«, zitierte die ›Deutsche Welle‹ (DW) die IWF-Chefin. Diese Aussage Lagardes deckt sich mit ihrem Vorschlag, wonach die Notenbanken selbst digitale Währungen einführen müssten: »In den vergangenen fünf Jahren war das Technologie-Wachstum in China äußerst erfolgreich und ermöglichte Millionen von Neueinsteigern den Zugang zu Finanzprodukten und die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze. Doch es hat auch dazu geführt, dass zwei Firmen mehr als 90 Prozent des Marktes für mobile Zahlungen kontrollieren«, kritisierte Lagarde.

Die geldpolitische Ausrichtung der designierten EZB-Präsidentin steht jedenfalls in einem eklatanten Widerspruch zu ihrem scheidenden Amtsvorgänger Mario Draghi. Der Italiener hatte sich nachdrücklich gegen die Einführung einer digitalen Währung im Euroraum ausgesprochen.

Was kommt da mit Madame Lagarde auf die deutschen Sparer zu? (hh/lol)

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