Was ist dran an den SPD-Putschgerüchten?

Wo Rauch ist, ist auch Feuer, sagt der Volksmund. Gemessen daran muss bei den Genossen die Hütte brennen! Zwei grandios gescheiterte Ex-Vorsitzende, Sigmar Gabriel und Martin Schulz, planen laut ›Bild‹ ein spektakuläres Comeback und den Sturz ihrer noch grandioser gescheiterten Nachfolgerin Andrea Nahles – getreu der Genossen-Hymne: »Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘…«

Die beiden ins politische Nirwana entsorgten Zwangsruheständler, die mit ihren tagespolitischen Kommentierungen zuweilen an das Mecker-Duo Statler und Waldorf aus der Sesamstraße erinnern, haben sich demnach folgendes Szenario ausgemalt:

Die SPD verliert am 26. Mai ebenso erwartungsgemäß wie krachend die Europawahl und die zeitgleich stattfindende Wahl zur Bürgerschaft (Landtag) in Bremen. Bei der Vorstandssitzung am Montag, es wäre der 27. Mai, müssten Andrea Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz um ihre Posten kämpfen. ›Bild‹ zitiert einen angeblichen Spitzengenossen mit den Worten: »Wenn das Worst-Case-Szenario eintritt, dann sind Nahles und Scholz nicht mehr zu halten!«

Dann könnte, so mutmaßen die Autoren, die Stunde von Gabriel und Schulz schlagen. Beide würden im Plenarsaal des Deutschen Bundestages häufig miteinander tuscheln. »Die beiden, das ist offensichtlich, haben etwas vor«, heißt es in dem Artikel verschwörerisch. Schulz könnte Fraktionschef werden, Gabriel sich wieder den Parteivorsitz krallen.

Doch was ist wirklich dran an den Putschgerüchten?

Zunächst einmal ist es ja nicht so, dass das Springer-Blatt in jüngerer Zeit mit seinen vermeintlichen Exklusiv-Stories immer ins Schwarze getroffen hätte. Erinnert sei an die angebliche »SPD-Schmutzkampagne« vor einem Jahr, bei der ›Bild‹ auf gefälschte E-Mails des Satiremagazins ›Titanic‹ hereingefallen war. Oder an die von Ober-Chefredakteur und Putin-Hasser Julian Reichelt ausgemachten »größeren Strukturen« kürzlich beim Hackerangriff auf deutsche Politiker, der sich als das Werk eines 20-jährigen Digital-Halbstarken entpuppte.

Seit‘ an Seit‘: Martin Schulz (63/li.) und Sigmar Gabriel (59) wollen angeblich die SPD-Vorsitzende und Fraktionschefin im Bundestag, Andrea Nahles (48) wegputschen

Als Autoren des Putsch-Artikels zeichnen Rolf Kleine und Hans-Jörg Vehlewald. Beide ›Bild‹-Reporter sind bis in die Wolle rot gefärbte Genossen und standen auch schon in SPD-Diensten. Kleine war Wahlkampfberater des ebenfalls grandios gescheiterten Ex-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück; Vehlewald leitete 2012/13 die Propaganda-Abteilung in der Parteizentrale – dies, wie seine kurze Amtszeit zeigt, offenbar mit mäßigem Erfolg.

Unbestritten ist: Beide Journalisten sind gut vernetzt im Genossen-Filz. Allerdings sorgte das Autoren-Duo schon einmal für deutschlandweites Aufsehen, und zwar im Januar 2017 mit der exklusiven Falschmeldung, dass Sigmar Gabriel SPD-Kanzlerkandidat werde. Insoweit sollte man die Putschgerüchte bezüglich Gabriel und Scholz nicht allzu ernst nehmen. Im Kern jedoch hat der ›Bild‹-Artikel einen Funken Wahrheit: Die Tage von Andrea Nahles sind gezählt. Als Favoriten für ihre Nachfolge gelten nach DK-Informationen der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (Parteivorsitz) und Arbeitsminister Hubertus Heil (Fraktionsvorsitz). Die stille und eigentliche Sehnsucht der Genossen wäre – mit Blick auch auf die sich alsbald stellende Frage der Kanzlerkandidatur – die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Manu Dreyer. Ihr wird am ehesten zugetraut, die Herzen der Menschen zu erreichen. Doch die fortschreitende Erkrankung der an multipler Sklerose leidenden Mainzer Regentin dürfte einen Wechsel in die Bundespolitik kaum zulassen. (oys)

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