Was ist eigentlich aus dem AfD-»Newsroom« geworden?

Ein großer leerer Raum

Mit ihrer Ankündigung, einen »Newsroom« aufzubauen, sorgte die AfD-Bundestagsfraktion vor einem guten Jahr für mächtig Wirbel. Weil ihr die Berichterstattung der Mainstream-Medien nicht passe, wollte sich die Fraktion ihre eigene Öffentlichkeit schaffen.

»Was ist aus dem AfD-›Newsroom‹ geworden?«, fragte dieser Tage das Nachrichtenportal ›n-tv.de‹ und gab die Antwort in der Überschrift gleich mit: »Ein großer, leerer Raum.«

Mit viel Wortgeklingel war das Projekt Anfang 2018 gestartet. Co-Fraktionschefin Alice Weidel sprach gar von einer »innovativen Zeitenwende in der Bundesrepublik«. Mit einem eigenen »Newsroom« wolle die Fraktion ihre Nachrichten selbst produzieren. »Solange die AfD von vielen Medien ignoriert oder mit ›Fake News‹ gezielt schlecht gemacht wird, kann es nur diesen Weg geben«, tönte Weidel damals.

In Ergänzung zur klassischen Pressestelle sollte der »Newsroom« unter Federführung des Zweiten Parlamentarischen Geschäftsführers Jürgen Braun mit bis zu 20 Mitarbeitern im Schichtdienst rund um die Uhr aktiv sein. Eine eigene »investigative Rechercheeinheit« sollte Themen ausfindig machen, die von anderen Medien »unter den Teppich gekehrt werden«. In den Fraktionsräumen im »Jakob-Kaiser-Haus« baue die Fraktion ein eigenes TV-Studio für tägliche Nachrichtensendungen auf, hieß es.

Soweit der Plan, Stand Februar 2018. Die Arbeit aufnehmen sollte der AfD-»Newsroom« im April – wohlgemerkt im April des vergangenen Jahres.

Früh kam jedoch auch Kritik an dem ehrgeizigen Projekt auf. Thomas Böhm (›Jouwatch‹) ätzte unter der Überschrift »Newsroom for nothing«:

»In der AfD basteln die Vollblut-Amateure gerade an einem kostspieligen und total überflüssigen ›Newsroom‹. Das Motiv, so etwas in die ausgetrocknete Medienlandschaft zu installieren, ist ja noch verständlich, da die Mehrzahl der deutschen Journalisten auf Anweisung von ganz oben und ideologisch ferngesteuert, negativ bis gar nicht über die AfD berichten und die vielen schlechten Quasselshows die neue Partei ignorieren müssen. Aber die AfD-Oberen scheinen sehr schnell vergessen zu haben, wer sie in den Bundestag geschmettert hat. Das waren nämlich die freien Medien, das war die Gegenöffentlichkeit, die immer mehr an Bedeutung in diesem Land gewonnen hat und mittlerweile mehrere Millionen Leser erreicht. Unvorstellbar, dass die AfD so viele Wähler hätte gewinnen können, wenn die Bürger lediglich die mediale Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt hätten. Unverständlich auch, dass es bei der AfD immer noch Leute gibt, die dem medialen Feind in den pavianroten Hintern kriechen. Aber das mag der Eitelkeit geschuldet sein.«

Mit ihrer Ankündigung, einen »Newsroom« aufzubauen, sorgte die AfD-Bundestagsfraktion vor einem guten Jahr für mächtig Wirbel. Weil ihr die Berichterstattung der Mainstream-Medien nicht passe, wollte sich die Fraktion ihre eigene Öffentlichkeit schaffen.

Böhm, der um klare Worte nie verlegen ist, ließ kein gutes Haar an dem Projekt: Nun wolle die AfD »ausgerechnet diejenigen schwächen, die für sie gekämpft haben. Vielleicht nicht mit Absicht, aber dann gewiss aus Kurzsichtigkeit, die gepaart mit verletzter Eitelkeit …«

Ob es an der Kritik liegt, dass die Bilanz in Sachen »Newsroom« mager zu sein scheint? Oder fehlt es vielleicht einfach nur an geeignetem Personal?

Fakt ist jedenfalls: Die Kommunikationsstrategie der Fraktion hat sich nicht spürbar verändert, geschweige denn verbessert. Sie beruht weiterhin auf Pressemitteilungen, Beiträgen in sozialen Netzwerken, die die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter selbst posten und Live-Videos einzelner Pressekonferenzen, die über ›Facebook‹ verbreitet werden. All das gab es schon vor der Ankündigung der medialen »Zeitenwende« (Weidel).

Auch innerhalb der AfD-Fraktion wächst offenbar die Skepsis. Auf die Frage, wie das Projekt laufe, zitiert ›n-tv.de‹ aus Fraktionskreisen: »Überhaupt nicht.«

Indes deutet einiges darauf hin, dass Weidels »Zeitenwende« doch noch Realität werden könnte – und zwar bei der CDU. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte im JU-Magazin »Entscheidung« an, man arbeite in der Berliner CDU-Zentrale derzeit an einem Konzept für einen »Newsroom«. Es gehe darum, einen Weg zu finden, »in Echtzeit auf unterschiedlichen Kanälen zu kommunizieren und eigene Nachrichten zu setzen«.

Es klingt absurd: Schnell, schneller, CDU! (oys)

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