Wehret den Anfängen!

Bundestag lässt Bargeldabschaffung prüfen

Die Deutschen bezahlen immer noch gerne bar: Ein Bundestagsausschuss stellt sich schon mal auf die Abschaffung des Bargeldes ein

Der Bundestagsausschuss für »Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung«, dessen Altparteienmitglieder eng mit der IT-Lobby verflochten sind, hat eine Untersuchung mit dem Titel »Welt ohne Bargeld« in Auftrag gegeben. Das Beratungsunternehmen »VDI/VDE-IT« soll eine Studie zu diesem Thema erstellen.

»Kaum ein Land hält der Zahlung mit Bargeld so die Treue wie Deutschland«, heißt es in den Informationen zu der Untersuchung, aus denen die ›Deutschen Wirtschafts Nachrichten‹ zitieren. Gut zwei Drittel aller Zahlungen würden noch immer mit Scheinen und Münzen erfolgen. In vielen Restaurants und Geschäften sei Kartenzahlung bis heute nicht möglich.

Bargeld weltweit auf dem Rückzug

Allerdings: Auch hierzulande haben die Kunden im stationären Einzelhandel 2018 erstmals mehr mit »Plastikgeld« als mit Bargeld bezahlt. Das berichtete kürzlich das Handelsforschungsinstitut »EHI«. In Schweden werden Umsätze im Einzelhandel bereits zu 95 Prozent bargeldlos getätigt. Häufig akzeptieren schwedische Geschäfte und Servicestellen überhaupt kein Bargeld mehr. Bis zum Jahr 2030 will das skandinavische Land die Bargeldzahlung ganz abschaffen.

In China wurde die Ära der Kartenzahlung praktisch übersprungen. Die meisten Zahlungen im »Reich der Mitte« werden dem Bericht zufolge mit Smartphones und Plattformapplikationen wie »WeChatPay« abgewickelt. Dies gelte selbst für Kleinstbeträge an mobilen Ständen oder in Garküchen. In Deutschland seien Onlinebezahldienste wie »PayPal« und »Apple Pay« sowie Banking- und Bezahl-Apps verschiedener deutscher Start-ups auf dem Vormarsch.

Im zuständigen Bundestagsausschuss werden Sorgen um die Sicherheit von elektronischen Zahlungsmitteln damit abgetan, dass es auch gefälschte Münzen und Scheine gebe. Die voranschreitende Abschaffung des Bargelds weltweit könne »einen Handlungsdruck für Deutschland erzeugen«.

Nach dem Willen des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung soll nun eine Vergleichsstudie einen Überblick über die internationale Entwicklung der Zahlungsmodalitäten geben. »Dabei sollen auch verschiedene neue Anwendungsfelder beschrieben und jene Länder in den Blick genommen werden, die bereits heute Vorreiter in der Abschaffung des Bargelds sind«, heißt es.

Das beauftragte IT-Beratungsunternehmen soll zudem das Potenzial der verschiedenen neuen Technologien im Hinblick auf eine gänzliche Abschaffung des Bargelds erfassen, darunter Nahfeldkommunikation – etwa per USB, Bluetooth oder WLAN sowie sogenannte Blockchain-Technologie.

Bundestag folgt den Empfehlungen der Lobby

Mit der Untersuchung zum Bargeld hat der Bundestagsausschuss nunmehr nicht etwa Datenschützer beauftragt, sondern einzig das Beratungsunternehmen »VDI/VDE-IT«. Dieses wird laut den ›Deutschen Wirtschafts Nachrichten‹ vom Ingenieursverband »VDI« und der IT-Lobbygruppe »VDE« getragen. (lol)

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