Weltgrößter Kreditversicherer warnt:

Kein Autohersteller kann die neuen EU-Abgaswerte einhalten

Heiße Luft: Die Abgasnormen der EU sind völlig unrealistisch und gefährden Zehntausende von Arbeitsplätzen

Der weltweit größte Kreditversicherer »Euler Hermes« warnt vor der neuen CO2-Richtlinie der Europäischen Union (EU). Praktisch kein Autohersteller werde die Vorgaben einhalten können.

Die »Euler Hermes SA«, eine Tochter der »Allianz SE«, ist eine Kreditversicherungsgruppe mit Sitz in Frankreich. Das Unternehmen (Jahresumsatz: 2,5 Milliarden Euro) dominiert mit einem Marktanteil von rund 35 Prozent weltweit das Warenkreditversicherungsgeschäft. Die Gruppe mit ihren mehr als 6.000 Mitarbeitern analysiert die Bonität von über 40 Millionen Unternehmen. Der Sitz der deutschen Niederlassung befindet sich in Hamburg.

Die größten Probleme der europäischen Autobauer seien aktuell weder der Brexit noch die drohenden Automobilzölle in den USA, sondern die im April verabschiedeten neuen Richtlinien der Europäischen Union (EU) zur Begrenzung der Kohlendioxid-Emissionen (CO2). Zu diesem Schluss kommt eine jetzt bekannt gewordene Studie des Kreditversicherers.

Automobilhersteller müssen laut der EU-Richtlinie die CO2-Emissionen innerhalb von nur zwei Jahren um 20 Prozent senken. Zum Vergleich: In den vergangenen 10 Jahren waren es insgesamt minus 25 Prozent.

Ludovic Subran, Chefvolkswirt der »Euler Hermes«-Gruppe und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz, nennt die Vorgaben »mehr als sportlich«.

Die neuen Emissionsziele könnten für die Automobilindustrie, so die Studie, fatale Folgen haben. Aktuell erfülle kein Hersteller die geforderten Abgasnormen auch nur annähernd.

Es drohen 30 Milliarden Euro an Strafen

Für die Autohersteller bedeute dies gleich »in dreierlei Hinsicht eine riesige Herausforderung: industriell, finanziell und kommerziell«, befürchtet Ron van het Hof, CEO von »Euler Hermes« in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die EU-Vorgaben würden zum einen eine schnelle und drastische Anpassung des Antriebsmixes zugunsten von alternativ angetriebenen Fahrzeugen, insbesondere Elektrofahrzeugen, erfordern. Zum anderen drohen bei Nichterreichen hohe Geldbußen. Auf Basis der aktuell erreichten Werte würden sich diese auf 30 Milliarden Euro summieren. Das entspricht der Hälfte der gesamten Nettogewinne der Automobilhersteller.

Die Zeche zahlen die Autofahrer

Die Produktionskosten könnten nach Berechnungen des Warenkreditversicherers bis Ende 2020 um bis zu sieben Prozent und bis 2025 um bis zu 15 Prozent steigen. Die Weitergabe dieser Kosten an die Kunden werde zu Einbußen bei den Autoverkäufen um neun Prozent bis Ende 2020 und um 18 Prozent bis 2025 führen.

Laut Prognose gefährden die aberwitzigen EU-Vorgaben bis zu 160.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland und Frankreich. Hinzu komme ein immer stärkerer Wettbewerb der Elektro-Hersteller, der den Abwärtsdruck auf Umsätze und Margen erhöht. Europäische Autobauer dürften nach Einschätzung von »Euler Hermes« versuchen, die Kunden u. a. mit billigen »Superkrediten« anzulocken.

»Es ist eine fast sichere Gewissheit, dass die Automobilhersteller die geforderten CO2-Ziele nicht einhalten werden«, sagt CEO van het Hof und warnt: »Selbst mit einer schnellen Anpassungsstrategie werden sie voraussichtlich maximal ein Drittel der Ziele erreichen. Wir erwarten daher bis Ende 2020 einen Anstieg der durchschnittlichen Pkw-Preise um etwa 2,6 Prozent und in der Folge einen Rückgang der Neuzulassungen um 3,1 Prozent. Das dürfte zu einem Minus von 2,9 Mrd. Euro bei den verkauften Fahrzeugen führen und dadurch etwa 60.000 Arbeitsplätze gefährden.« (hh)

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