Werner Patzelt – ein Mann wie eine Eiche

Matthias Matussek

Professor Werner Patzelt aus Dresden ist ein Mann wie eine bullige, bayrische Eiche, unbeugsam, die Wurzeln tief ins Erdreich seiner Überzeugungen gegraben, und diese sind christdemokratisch – seit den früher 90er-Jahren ist er Mitglied der CDU. Ein unbequemes Mitglied darüber hinaus: Als die Dresdener gegen die Regierung auf die Straße gingen in den Märschen der PEGIDA, der »Patrioten gegen eine Islamisierung des Abendlandes«, saß er in den Fernsehtalkshows (des Westens) als »Pegida-Versteher«, die ganz offenbar einen brauchten, der ihnen erklärte, was dort los war.

Werner Patzelt (hier in der Talkshow ›Hart aber Fair‹) muss den abgehobenen westlichen Eliten des Öfteren Volkes Stimme erklären

Dass die Marschierer, die in kurzen Blitzinterviews durch die Bank als dumpfe Rechtsextreme geschildert wurden, tatsächlich recht hatten in ihrem Unmut über die »Lügenpresse« (die das »Framing« der Regierung in der Flüchtlingsfrage lückenlos übernahm), mit ihrer Furcht vor Überfremdung (in Großstädten wie Frankfurt sind die autochthonen Deutschen mittlerweile in der Minderheit), mit ihrem Protest gegen die Selbstaufgabe des Landes durch die Regierungschefin (»Wenn man da kein freundliches Gesicht macht […] ist das nicht mehr mein Land«) sollte sich erst später erweisen.

Patzelt wusste das alles früh. Er sprach von einer »Repräsentationslücke« der Regierung. Nun versucht er der AfD, die in Sachsen mittlerweile Volkspartei ist, jene Stimmen zurückzugewinnen, die der CDU nach ihrer scharfen Wende ins grüne Traumreich weggelaufen waren.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, besonders für einen glaubensfesten Katholiken wie den brillanten Wissenschaftler Patzelt: Der passionierte Cello-Spieler musiziert gemeinsam mit seinem Sohn. Auch Kirchenmusik.

Matthias Matussek

Matthias Matussek

ist preisgekrönter Reporter und Bestsellerautor, war 26 Jahre lang für den ›Spiegel‹ tätig, bis er sich 2014 entschloss, das Neue zu wagen – er wechselte zu Springers ›Welt‹. Doch dort spürte er schnell, wie sehr ideologische Haltungen und die freiwillige Selbstzensur einer neuen Generation von Journalisten die Presselandschaft verändert haben: Die Zusammenarbeit wurde nach siebzehn Monaten beendet. Seither arbeitet er als freier Autor u. a. für die ›Weltwoche‹, den ›Focus‹ sowie ›Tichys Einblick‹ und den Deutschland Kurier.

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