Wie tief ist die CDU nur gesunken:

Norbert Röttgen – oder das letzte Aufgebot der Union

Jesus aber sagt: »Eure Rede sei JA oder NEIN! Was darüber ist, das ist von Übel«, heißt es in Matthäus 5, Vers 37. Als gläubiger Katholik geht Norbert Röttgen sonntags selbstverständlich zur Messe – daheim, in Stieldorf bei Bonn. Dann aber bekommt der CDU-Mann regelmäßig ein Problem mit der Bibel. Denn Röttgen hat ein ganz anderes Lebensmotto: »Sowohl als auch!«

Lebensmotto »Sowohl als auch«: Der einst von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geschasste Ex-Bundesumweltminister Norbert Röttgen greift nach dem CDU-Parteivorsitz

Da waren es plötzlich vier: Wie »Kai aus der Kiste« hat auch der Rheinländer Röttgen seinen Hut in den CDU-Ring geworfen. Seine Bewerbung um den Parteivorsitz macht deutlich, wie tief die CDU gesunken ist. Der Lieblingsdummschwätzer von Maischberger & Co. ist ein aalglatter Opportunist, wie er im Buche steht!

Ein paar Jahre lang galt der heute 54-Jährige sogar als »Muttis Klügster« – damals noch mit randloser Brille als Bundesumweltminister von 2009 bis 2012. Bloß: Zum Ende seiner Ministerkarriere stand der Kabinettsstreber auf einmal ziemlich dumm da – von Merkel gefeuert als einer, der zu offensichtlich seinem Grundsatz »sowohl als auch« treu bleiben wollte.

Röttgen, 2012 CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, hatte nach seiner krachenden Niederlage gegen Hannelore Kraft (SPD) gekniffen und wollte lieber auf seinem bequemen und gut dotierten Ministersessel in Berlin sitzen bleiben, statt auf die harte Oppositionsbank in Düsseldorf zu wechseln. Das wiederum fand »Mutti« (damals noch CDU-Chefin) dann doch nicht gut. Seit seinem eiskalten Rauswurf aus dem Kabinett ist Röttgen der Kanzlerin in ewiger Feindschaft verbunden und hat zumindest insoweit eine Gemeinsamkeit mit seinem Konkurrenten Friedrich Merz.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag spekuliert mit seiner Bewerbung ganz offensichtlich auf eine Marktlücke: Über Merz ist die Zeit hinweggegangen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gilt als noch zu jung und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als zu zögerlich.

Hinzu kommt: Röttgen zählt zur sogenannten Pizza-Connection, einer Gesprächsrunde von Unionsabgeordneten und Grünen, die sich erstmals Anfang der 90er-Jahre während der Sitzungswochen in einem Hinterzimmer des Bonner Italieners »Sassella« trafen und bei erlesenen Rotweinen vom Comer See ihren schwarz-grünen Traum träumten. Den sieht Röttgen mit Blick auf die Wahl 2021 wohl in greifbare Nähe gerückt. Wobei abzuwarten bleibt, ob dieser Albtraum mehr grün als schwarz endet.

»Sowohl als auch« – damit bekam Röttgen übrigens auch schon 2006 ein Problem. Seinerzeit wollte er mit geschätzten 500.000 Euro Jahressalär Bundesgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) werden – gleichzeitig aber sein Bundestagsmandat behalten.

Immerhin – einmal war dieser linksgrüne CDU-Karrierist der Wahrheit ziemlich nahegekommen: Das erste Jahr der Chaos-GroKo sei ein »verlorenes Jahr« gewesen, tönte er 2018. Wenn es nur das eine Jahr gewesen wäre! (oys)

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