Wunderbar und überfällig

In Frankfurt entsteht das deutsche Romantik-Museum

Das Freie Deutsche Hochstift, Träger des Goethe-Hauses in Frankfurt, hat in den vergangenen 100 Jahren eine einzigartige Sammlung zur Literatur der deutschen Romantik zusammengetragen. In den Kellern der Stiftung lagern in Kartons die weltweit umfangreichsten Bestände zu den Schlüsselfiguren der deutschen Romantik. Dazu gehören Werke von Ludwig Tieck, Friedrich von Schlegel, Joseph von Eichendorff, der Geschwister Brentano oder Novalis. Um nur einige zu nennen.

Romantik umfasst viele Facetten. In einem Brief an seinen Bruder schrieb Schlegel: »Meine Erklärung des Worts romantisch kann ich Dir nicht gut schicken, weil sie – 125 Bogen lang ist«. Unsere Romantik umfasst mehr als Waldesrauschen, Quellengemurmel, Mondschein oder Wandergesellen. Es umfasst Wehmut und Aufbegehren, Innigkeit und Revolution. Unsere deutsche Kultur im weitesten Sinne ist zutiefst davon geprägt.

Zu fast jedem banalen Thema gibt es inzwischen hier im Lande ein Museum. Vom Nachttopf-Museum über ein Heringsfänger-Museum, Kartoffel-Museum bis zum Schuh-Museum reicht die Palette unserer Museumslandschaft. Da hält man es fast nicht für möglich, dass bis zum heutigen Tage in Deutschland die Romantik keine museale Heimstatt hat, obwohl sie zu den gewichtigen Strömungen in Literatur, Malerei, Musik und unserer Geistesgeschichte gehört. Sie ist ein elementarer Teil unserer kulturellen Identität.

Deshalb ist es großartig, dass in Frankfurt a.M. seit 2013 unter dem Dach des Freien Deutschen Hochstiftes jetzt Schritt um Schritt das Deutsche Romantik-Museum entsteht. Im nächsten Jahr soll es eingeweiht werden. Die Literatur der deutschen Romantik und das europäische Romantikverständnis werden Inhalt und Botschaft des Museums sein.

Durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Goethe-Haus trägt es auch dem Faktum Rechnung, dass zum Erstaunen mancher hier in Deutschland Goethe als weltweit wichtigster Romantiker gilt.
Goethes Anmerkung, dass man ein anderer Mensch werde, je nachdem, ob man unter weichen Linden oder unter starren Eichen aufgewachsen sei, oder schon sein Erstlingswerk »Die Leiden des jungen Werther« lassen diese Einordnung verständlich werden.

Besonders verbunden waren Goethe und der wohl heute populärste romantische Lyriker Joseph von Eichendorff nicht. In der Novelle »Unstern« machte Eichendorff seine Distanz in Anspielung auf seinen Dichterkollegen ironisch deutlich: »Ja, von dem einen – es wundert mich überhaupt nur, dass er mich noch liest – kann ich mir durchaus nicht vorstellen, dass er jemals ein Kind gewesen sein sollte, sondern glaube bestimmt, dass er sogleich in Hosen und Frack zur Welt gekommen ist.« Jetzt werden beide im Deutschen Romantik-Museum zusammengefügt.

Was mich besonders erfreut: Die weltweit größte Handschriftensammlung meines Lieblingslyrikers Joseph von Eichendorff wird in dem neuen Museum in Teilen endlich auch für Besucher multimedial sichtbar sein. Zu diesen Handschriften zählen auch die unterschiedlichen Entwürfe seines berühmten und berührenden Vierzeilers:

»Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort, Und die Welt hebt an zu singen, Triffst du nur das Zauberwort«


Erika Steinbach

ist seit 1990 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie trat im Januar 2017 aus Protest gegen Merkels Masseneinwanderungspolitik aus der CDU aus.

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