Zahl der Woche: 18

Die Achtzehn (18) ist im Judentum der Zahlenwert des hebräischen Wortes »Chaj«, welches »Leben« bedeutet. Sie wird deswegen auch manchmal als Glückszahl angesehen. Die Vollendung des achtzehnten Lebensjahres bedeutet in Deutschland und vielen anderen Staaten die Erlangung der Volljährigkeit. In Niedersachsen kann die Achtzehn seit Kurzem für ein neues Ausmaß der Lächerlichkeit stehen, mit der die Altparteien ihrer aufstrebenden Konkurrentin AfD einen Nazibezug andichten wollen.

Der Reihe nach: Vor Kurzem hatte die niedersächsische AfD-Fraktion anlässlich des Tages der offenen Tür im Hannoveraner Landtag Dragees mit Minzgeschmack verteilt, die als Präparat namens »AfD forte« mit dem Zusatz »gegen leichte bis schwere Volksverdummung« in einem Blister zu 18 Tabletten pro Einheit abgepackt waren. Das launige Werbegeschenk kam auch bei unparteiischen Besuchern recht gut an.

Für die CDU- und SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag sind die originellen Scherzdragees jedoch »voll Nazi«. Die 18 habe einen »eindeutigen Bezug zu Adolf Hitler«; die Zahl sei »in Nazikreisen eindeutig zu verstehen«, deshalb könne es sich »nicht um Zufall handeln«, so der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wiard Siebels, gegenüber der ›Nordwest-Zeitung‹. Prompten Beistand erhielt er jetzt von seinem CDU-Amtskollegen Jens Nacke, der den Fall zum Anlass nahm, erneut demonstrativ auf Distanz zur AfD zu gehen. Die niedersächsischen Grünen wollen die Partei nun sogar vom Landesverfassungsschutz beobachten lassen.

In der Neonaziszene gilt »18« (für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet = »AH«) in der Tat als Code für Adolf Hitler. Dass die Zahl der Pillen pro Packung dem kostengünstigsten Angebot des Herstellers entsprach und keinerlei Nazi-Zahlen-Kabbala zur Ursache hatte, wie AfD-Fraktionsgeschäftsführer Klaus Wichmann erklärte, kann für die Altparteien unmöglich wahr sein. Der gelernte Bankkaufmann und Studienabbrecher Wiard Siebels (SPD) schwingt sich in der ›Nordwest-Zeitung‹ dafür sogar zum Pharmaexperten auf und behauptet, 18er-Packungen seien »völlig unüblich«.

Werden sich die tapferen Nazijäger aus Niedersachsen demnächst den linken, vegan lebenden US-amerikanischen Künstler »Moby« vornehmen – immerhin hat dieser schon vor etlichen Jahren ein erfolgreiches Album mit dem Titel »18« herausgegeben?

Eines zeigt diese Provinzposse jedoch klar: Die AfD gibt tatsächlich so wenig Anlass für den gebetsmühlenartigen Vorwurf des Rechtsradikalismus, dass die Altparteien in ihrem verzweifelten Versuch, die erfolgreiche Konkurrenz zu diffamieren, sich komplett der Lächerlichkeit preisgeben. (mvo)

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