›ZDF‹-Chefredakteur Frey entscheidet:

Björn Höcke wird in keine ›ZDF‹-Talkshow mehr eingeladen

›ZDF‹-Chefredakteur Peter Frey hat sich festgelegt. Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Thüringer Landtag, Björn Höcke, wird kein Gast mehr in einer Talkshow des ›ZDF‹ sein. Den deutschen Journalismus hält Frey zudem nicht für zu links. »Ich sehe das beim ›ZDF‹ nicht«, so Frey in einem ›Zeit‹-Interview.

Der ›ZDF‹-Chefredakteur Peter Frey beleidigt alle AfD-Wähler aus Thüringen als «rechtsextrem». Zudem schließt er Björn Höcke (Landesvorsitzender der AfD Thüringen) von allen ›ZDF‹-Talkshows aus

›ZDF‹-Chefredakteur Peter Frey will den AfD-Politiker Björn Höcke nicht mehr als Gast in den Talkshows seines Senders sehen. In einem ›Zeit‹-Interview hinter der Bezahlschranke verneinte er die Frage, ob der thüringische AfD-Chef noch ein geeigneter Gast in Talkshows sei. Wer bei der Landtagswahl im Oktober Höcke gewählt habe, habe »bewusst rechtsextrem« gewählt, so Freys Urteil. »Wir Medien haben niemanden zu erziehen«, so der Chefredakteur weiter. »Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen.«

Eine ähnliche Ankündigung wie die Freys hatte es 2018 durch Frank Plasberg, Moderator des öffentlich-rechtlichen Talkformates »hart aber fair«, gegeben. Plasberg entschied, dass er den damaligen AfD-Chef Alexander Gauland nicht mehr in seine Sendung einladen werde. Seine über die Köpfe der Beitragszahler getroffene Entscheidung rechtfertigte der ehemalige Student der Theaterwissenschaft, Politik und Pädagogik, das Plasberg nach 17 Semestern abbrach, mit Gaulands aus dem Zusammenhang gerissenen »Vogelschiss«-Äußerung.

»›ZDF‹ hat keinen rot-grünen Einschlag«

Den deutschen Journalismus hält der 62-jährige ›ZDF‹-Chefredakteur Frey nicht für zu links. »Ich kann das heutige Gerede, der deutsche Journalistenstand hätte einen rot-grünen Einschlag, nicht nachvollziehen. Ich sehe das beim ›ZDF‹ nicht«, sagte Frey gegenüber der Wochenzeitung. Es stimme einfach nicht, dass konservative Positionen im ›ZDF‹ keinen Platz hätten. »Zum Glück sind die Zeiten der alten Bundesrepublik vorbei, als man im Sender wusste, wer in welches politische Lager gehörte, und das Karrieren befördert hat«, so Frey.

Konfrontiert mit Kritik am ›ZDF‹-Programm räumte Frey ein: »Wir sind zu alt geworden, nicht nur was unsere Zuschauer angeht, sondern auch beim Personal. Und wir sind nicht divers genug. Darunter leiden wir.« Ein »wunder Punkt« sei, dass das ›ZDF‹ zu wenige Führungskräfte mit ostdeutschem Hintergrund habe. »Ich sage meinen jungen Kollegen immer: ›Leute, wir leben in einer Zeit, in der es spannender ist, Korrespondent in Magdeburg zu sein als in Washington.‹.«

Noch mehr Migration im ›ZDF‹

Frey reagiert in dem Gespräch auch auf Kritik aus dem Verein »Neue deutsche Medienmacher«, wonach das ›ZDF‹ zu wenige Migranten in Talkshows zu Gast habe: »Leider kriegen wir nicht alle Gäste mit Migrationshintergrund, die wir gern hätten. Manche schlagen unsere Einladung aus, weil sie nach Auftritten schon viele Anfeindungen erlebt haben. Ich finde das besorgniserregend«, so Frey.

Die »Neuen deutschen Medienmacher«, nach eigenen Angaben »ein bundesweiter Zusammenschluss von Medienschaffenden mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Kompetenzen und Wurzeln, die sich für mehr Vielfalt in den Medien« einsetzen, erhielten über den Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration, das Auswärtige Amt und das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in den letzten Jahren 2.371.000 Euro für ihr Wirken. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der AfD (Bundestagsdrucksache 19/3784) hervor.

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