Zerwürfnis oder Taktik?

Merkel boykottiert CDU-Wahlkämpfe!

Auf einen Wahlkampf mit Angela Merkel muss – beziehungsweise darf – die CDU in diesem Jahr verzichten

Die Masseneinwanderungskanzlerin Angela Merkel (CDU) wolle weder für die Kampagne zur Europawahl noch in den Landtagswahlkämpfen für Auftritte zur Verfügung stehen, berichtet die ›Süddeutsche Zeitung‹.

Steckt mehr dahinter oder ist es das klassische Rollenspiel »good cop« (Merkel), »bad cop« (Kramp-Karrenbauer)?

Der in der Union, und hier besonders im Merkel-Lager, gut verdrahtete ›SZ‹-Korrespondent Nico Fried lässt zunächst das Wochenende Revue passieren, als die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer einen Wahlkampfauftritt im Hochsauerlandkreis, der Heimat von Friedrich Merz, ihres Mitbewerbers um den Parteivorsitz, absolvierte.

Friedrich Merz, so sieht es die ›Süddeutsche Zeitung‹, »spielte mit der Zweideutigkeit. Er wolle, sagte Merz am Freitag bei einer CDU-Veranstaltung im Sauerland, Annegret Kramp-Karrenbauer danken für die sechs Wochen, die man ›zusammen verbracht‹ habe. Er meinte natürlich die Regionalkonferenzen, auf denen sich die Bewerber für den CDU-Vorsitz Ende 2018 vorstellten. Als jedoch aus dem in der Mehrzahl betagteren Publikum in der Schützenhalle Eslohe Gekicher zu vernehmen war, setzte er noch einen drauf. Vor dem Parteitag in Hamburg ›haben wir uns relativ häufig gesehen‹, so Merz. ›Und es war auch angenehm.‹ Merz, 63 Jahre alt und keine 50 Kilometer von Eslohe entfernt in Brilon zuhause, versteht es, sein regionales Publikum zu unterhalten.«

Dann kommt der ›SZ‹-Autor schnell zum Kern der Sache:

Die »Fragen von Nähe und Distanz«, mit denen sich die CDU dieser Tage beschäftige, hätten auch eine »politische, um nicht zu sagen: ernste Seite«. Es gehe dabei nicht nur um Merz. Die Wahlkämpfe, die der Partei bevorstehen, seien »auch die ersten ohne eine aktive Rolle der Kanzlerin«. Merkel habe angeblich »frühzeitig signalisiert, dass sie weder für die Kampagne zur Europawahl noch in den Bundesländern Bremen, Sachsen, Thüringen und Brandenburg für Auftritte zur Verfügung steht«. Für sie gehöre das zum »Ausstieg aus der Verantwortung für die Partei, den sie mit dem Verzicht auf den Vorsitz eingeleitet hat und den sie mit dem Ende ihrer Kanzlerschaft spätestens 2021 abschließen wird«.

Die neue Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer müsse also entscheiden, »inwieweit sie Merz einbindet«. Sie müsse überlegen, »wie sie ohne Merkel klarkommt«. Und sie müsse abwägen, »wie sich beides zusammen für die CDU auswirkt«.

Es könnte sich allerdings noch eine ganz andere Vermutung aufdrängen:

Vor dem Hintergrund aktueller Meinungsumfragen, die die Union nur bei mageren 28 Prozent sehen (»ZDF-Politbarometer«), will Merkel den »Schwarzen Peter« für die absehbaren Wahlniederlagen (Europawahl, Landtagswahlen) ihrer Nachfolgerin im Parteivorsitz zuschieben und sich nicht mitverantwortlich machen lassen – getreu der österlichen Devise des »Pontius Pilatus«: »Ich wasche meine Hände in Unschuld.« (oys)

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