Ein Gastkommentar von Lars Patrick Berg, MdL

Die Einwanderung von Millionen häufig kulturfremder Menschen nach Deutschland erfordert schon längst eine enttabuisierte Diskussion über die wesentlichen Inhalte einer deutschen Identität. Dazu gehört nicht nur die Klärung der Frage, was man als identitätsstiftend verstehen kann oder muss, sondern auch, wie man Identität angesichts der Herausforderungen in einer globalisierten Welt schützen und bewahren kann.

Diese Diskussion wird in der Bundesrepublik Deutschland auf politischer Ebene nicht geführt, weil sich die politischen Parteien außerhalb der AfD dieser Herausforderung weitgehend verweigern. Denn die Frage nach Identität passt nicht in das linksliberale Weltbild eines alles nivellierenden Humanismus unter den Bedingungen von Multikulti. Es geht bei Identität eben nicht um absolut gesetzte Gleichbehandlung, sondern um die Definition der Unterschiede zwischen dem Eigenen und dem Anderen. Es geht folglich um ein kulturelles Problem, um den Schutz des Eigenen bei gleichzeitigem Respekt für das Andere.

Identität ist weit mehr als etwa der vielbeschworene Verfassungspatriotismus, das Anfeuern der Nationalmannschaften bei internationalen Sportwettbewerben, Folkloreveranstaltungen oder regionale Krimis mit Heimatkolorit. Identität ist Wissen und Bekenntnis der Zugehörigkeit zu bestimmten Solidargemeinschaftsformen wie Familie, Heimatregion und besonders auch zur eigenen Nation. Es ist ein tägliches Plebiszit, wie der französische Historiker Ernest Renan schon 1882 betont hat.
Doch noch vor der Prägung durch die jeweilige Kultur oder Zivilisation, durch Traditionsformen oder durch eine verbindende Geschichte ist die Sprachgemeinschaft das größte identitäre Bindemittel. Um die Identität der Bevölkerung zu bewahren, muss daher die gesprochene wie auch geschriebene deutsche Sprache gepflegt und vom Staat besonders geschützt werden. Dies muss genauso als ein Bildungsauftrag verstanden werden, wie eine gute Schul- und Berufsausbildung sowie Kenntnis und Akzeptanz grundlegender Rechte und Pflichten der Bürger im Staat. Nur so kann sichergestellt werden, dass die nachwachsende Generation gut vorbereitet ist, um ihre Rolle in der Gesellschaft, der Wirtschaft oder im politischen Umfeld integrativ wahrnehmen zu können. Identitätsstiftung ist immer auch ein Teil der Zukunftssicherung und muss somit ein besonderes Interesse des Staates genießen.

Andererseits bedeutet dies, dass Zuwanderer, die auf Dauer in Deutschland bleiben wollen, das Identitätsverständnis der deutschen Mehrheitsgesellschaft und somit deren traditionelle Verwurzelung und Prägung ohne Wenn und Aber anzuerkennen haben. Der Staat und seine Organe haben die Eingliederung der Zuwanderer zu ermöglichen und einzufordern. Keineswegs jedoch dadurch, dass sich die einheimische Bevölkerung den Zuziehenden anzupassen hat, sondern nur dadurch, dass die Zuwanderer die Kultur und Identität der einheimischen deutschen Mehrheitsbevölkerung respektieren und sich ihr angleichen. Eingliederung ist letztendlich nur dann erfolgreich möglich, wenn sich Einwanderer irgendwann genauso zu diesem Land, seiner Identität und Kultur bekennen wie die Einheimischen selbst.

Wer dies ablehnt oder unter Integration wie Katrin Göring-Eckardt von den Grünen ein Wohlfühlen der Einwanderer im Sozialsystem versteht, der befördert die Entstehung von uns völlig fremden und entglittenen Parallelgesellschaften zu Lasten einer wirklich erfolgreichen Eingliederung von Zuwanderern. Eine Nation benötigt jedoch eine positive Identifikation mit dem Land. Die Auflösung in die totale Heterogenität wird sonst mit einem hohen Preis zu bezahlen sein – und dieser wird uns dann nicht »nur« Geld kosten.

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