Zwei Jahre nach Helmut Kohls Tod

Streit um den »Schatz von Oggersheim«

Ein Sprichwort sagt: »Wenn Gott mit dem Tode kommt, dann kommt der Teufel mit den Erben.« Am 16. Juni 2017 verstarb Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) im Alter von 87 Jahren. Jetzt geht der hässliche Streit um sein politisches Erbe in eine neue Runde.

Peter Kohl (54), der jüngere der beiden Söhne von Helmut Kohl, streitet öffentlich mit Kohls Witwe Maike Kohl-Richter. Zudem äußert er Zweifel an der Echtheit von Unterschriften auf späten Briefen des ehemaligen Bundeskanzlers.

Dieser Tage sagte Peter Kohl als Zeuge vor dem Landgericht Köln aus. Es gehe der Kohl-Witwe darum, »die Deutungshoheit über das politische Erbe von Helmut Kohl zu erlangen und auf Ewigkeiten zu besetzen«. Für diese Aufgabe sei Kohl-Richter aber nicht qualifiziert. »Sie ist keine Historikerin, sie war 50 Jahre nicht dabei. Sie hat keine Ahnung.«

Die Witwe Maike Kohl-Richter an der Beerdigung ihres Mannes Helmut Kohl

Peter Kohl warf Maike Kohl-Richter vor, ihn seit Jahren mit Anwaltsschreiben zu überziehen. »Das ist schon eine Beeinträchtigung der Lebensqualität.« Bei manchen Briefen, die angeblich noch sein Vater geschrieben habe, bezweifelten er und der Rest der Familie, dass der zuletzt schwer kranke Kohl tatsächlich der Verfasser und Unterzeichner gewesen sei.

Streit in Kohls Familie schwelt schon seit Jahren

Das Verhältnis der beiden Kohl-Söhne Peter und Walter zu Maike Kohl-Richter gilt als giftig. Im Gedächtnis sind noch immer die Bilder von Walter Kohl, der nach dem Tod seines Vaters an dessen Bungalow in Oggersheim von der Polizei aufgefordert wird, das Grundstück zu verlassen.

Auch zum ersten Todestag findet die Familie nicht zusammen. Auf die Frage, ob er nach Speyer und Ludwigshafen kommen werde, teilte Walter Kohl, der ältere der beiden Söhne, mit: »Niemand aus der Familie wurde zu einer der Gedenkveranstaltungen eingeladen.«

Sein Bruder Peter sagte der ›Zeit‹: »Wahrscheinlich treffe ich mich mit meinem Bruder, und wir gehen an einen Ort, an dem wir immer gemeinsam waren mit unserem Vater, mit den Eltern.« Peter Kohl kündigte an, die Echtheit bestimmter Unterschriften seines Vaters prüfen lassen zu wollen.

Peter und Walter Kohl streiten mit Maike Kohl-Richter um das Erbe

Ein Streitpunkt sind bis heute die Akten des Ex-Kanzlers. Unklar ist, welche Rolle aktuell der frühere ›Bild‹-Chef Kai Diekmann, der quasi Kohls »Ziehsohn« noch aus seiner Zeit als Korrespondent in Bonn war, spielt. Die Tage nach Kohls Tod trat Diekmann als eine Art »Kondolenzonkel« auf, nahm an der Haustür von Kohls Bungalow Beileidsbekundungen entgegen. Es heißt, er stehe der Witwe nahe. Ist Diekmann dabei behilflich, den »Schatz von Oggersheim« zu heben?

Kohl-Richter will weitere Zitate aus »Die Kohl-Protokolle« verbieten lassen

Das aktuelle Gerichtsverfahren, in welchem Peter Kohl die neuerlichen Vorwürfe äußerte, war von Maike Kohl-Richter angestrengt worden, um weitere Textstellen aus dem Buch »Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle« von Heribert Schwan verbieten zu lassen.

Schwan hatte als sogenannter Ghostwriter Kohls Memoiren aufgeschrieben, die sich auf Tonbandprotokolle während langer Gespräche mit dem schon gebrechlichen Altkanzler stützten. Doch am Ende zerstritten sich Schwan und Kohl. Daraufhin veröffentlichte Schwan auf eigene Faust ein Buch mit deftigen Zitaten des Altkanzlers über andere Politiker. Gegen dieses Buch ging Kohl mit Erfolg vor Gericht vor. Seit seinem Tod 2017 führt seine Witwe Kohl-Richter den Rechtsstreit fort.

Vor allem an seiner späteren Amtsnachfolgerin Angela Merkel (CDU) ließ Kohl laut Schwan kein gutes Haar. »Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musste«, zitierte der Autor den Ex-Kanzler.

Auch Merkels Europapolitik habe der CDU-Politiker kritisiert. Dabei bekam auch der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) sein Fett ab: »Die Merkel hat keine Ahnung, und der Fraktionsvorsitzende ist ein politisches Kleinkind«, soll Kohl gesagt haben.

Über andere CDU-Granden soll Kohl ebenfalls gelästert haben. Norbert Blüm (Ex-Arbeitsminister), Rita Süßmuth (Ex-Bundestagspräsidentin) und Heiner Geißler (Ex-Generalsekretär) seien »hinterfotzig« gewesen, Blüm ein »Verräter«. Verachtung empfand Kohl demnach auch für Ex-Bundespräsident Christian Wulff (CDU): »Eine Null.«

Wer wollte Kohl da widersprechen! (oys)

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