Zweierlei Grenzen – vom »Flüchtlingsdeal« mit der Türkei

Die Grenze zwischen der Europäischen Union und der Türkei ist 462 Kilometer, die zwischen der Türkei und Syrien 899 Kilometer lang. Zumindest sind das die aktuellen Grenzen – bei Erdoğan weiß man ja nie.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil die hohen Herren in Brüssel und Mutti Merkel in Berlin noch vor wenigen Monaten der Meinung waren, es sei sinnvoller, den Türken viele, viele Millionen Euro zu zahlen, damit sie die Grenze zu Syrien abriegeln, als das Geld in Bulgarien und Griechenland in die Grenzsicherung zu investieren.

Jetzt, vor dem Hintergrund des Ärgers mit Menschenrechten, Krieg und eingesperrten Journalisten, wächst auf einmal die Erkenntnis in Berlin und Brüssel, dass es mit dem sogenannten »Flüchtlingsdeal« irgendwie nicht so weit her sein könne. Gut, das hätte man vorher auch schon wissen können, aber in Wahrheit wollte man vermutlich einfach die Bilder vermeiden, auf denen Grenzpolizisten beim Verrichten ihrer Arbeit zu sehen sind.

Da bietet sich natürlich ein Partnerland wie die Türkei an, da mag man Journalisten sowieso nicht.

Sei es wie es sei, nun steht der Flüchtlingsdeal kurz vor dem Aus, und allgemeine Panik vor der nächsten »Flüchtlings«-­Welle macht sich breit.

Ich frage mich da immer, wie man das früher gemacht hatte? Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da gab es auch innerhalb Europas Grenzen. Das hieß manchmal eben auch ein paar Stunden Wartezeit. Ich persönlich habe zum Beispiel die Abschaffung der Grenzen zur Republik Österreich immer sehr genossen, man sprach sowieso dieselbe Sprache beiderseits des Inn, und da tat ein Schlagbaum auch keine große Not. Aber zwischen der Türkei und uns hätte ich schon gern ein paar Schlagbäume. Nicht notwendigerweise, um Leute fernzuhalten – aber um die Leute nach dem Woher und Wohin zu fragen.

Denn darum geht es ja am Ende. Um die Kontrolle eines Staates über das Woher und Wohin derjenigen, die sein Territorium betreten. Diese Frage nach dem Woher und Wohin muss nicht notwendigerweise in Passau gestellt werden. Aber irgendwo zwischen Istanbul und Passau dann aber schon.

Und dabei will ich mich ungern auf Erdoğan verlassen, denn er gibt den Leuten vielleicht ganz andere Ideen mit auf den Weg als ein ordentlicher Grenzbeamter.


Stephan Protschka

ist AfD-Bundestagsabgeordneter aus Niederbayern.

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