Zweierlei »Maas«:

Wie die deutsche Regierung mit Denis Yücel und mit Billy Six umgeht

Seit 109 Tagen sitzt der deutsche Journalist Billy Six in Venezuela in Einzelhaft, seit 9 Tagen ist er wieder im Hungerstreik. Die Eltern Edward und Ute Six sprachen mit dem ›Deutschland Kurier‹, der die ganze Woche darüber berichtet.

Billy Six hat seit 14 Wochen kein Fenster in seiner Zelle im Geheimdienstgefängnis El Helicoide, die Medikamente für Dengue-Fieber wurden ihm abgenommen. Vor der Tür sitzt ein Wachmann, um zu verhindern, dass er mit anderen sprechen kann. Erst nach 54 Tagen erhielt er Besuch von der deutschen Botschaft, erst nach 100 Tagen von einem Anwalt. Die Eltern erhielten bisher nur zwei Anrufe vom Auswärtigen Amt.

Besonders eklatant war der Unterschied zwischen dem Umgang der Bundesregierung im Fall Billy Six und Denis Yücel. Die Botschaft hätte im Fall seines Sohnes sofort diplomatischen Schutz beantragen sollen, wie im Fall Yücel geschehen, »aber die zuständige Dame im Auswärtigen Amt schien gar nicht zu wissen, was das ist«, so Edward Six gegenüber dem Deutschland Kurier.

Die deutsche Botschaft hätte außerdem – wie im Fall Yücel geschehen – sofort bei der venezolanischen Regierung protestieren sollen. Dass dies nicht geschehen sei, sei ein Eingeständnis der deutschen Botschaft, dass man sich nicht um Billy Six kümmern werde, so Edward Six. »Sobald man konsularische Betreuung ankündigt, ist das ein Eingeständnis, dass an den Vorwürfen etwas dran sein könnte«, sagte Edward Six.

Der Außenminister Heiko Maas habe sich entgegen eigener Aussage in keiner Weise eingeschaltet, so Ute Six: »Deshalb sprechen wir von absichtlich unterlassener Hilfeleistung. Er kann nicht sagen, dass er es nicht gewusst hat. Dazu haben wir es zu oft (gesagt).« Die Behauptung des Auswärtigen Amtes, es hätte »engen Kontakt zur Familie« gegeben, bezeichnete Edward Six als »Stich ins Herz«.

»Es gibt nicht ein Telefonat, außer diesen beiden vor den Besuchen der Botschaft im Gefängnis, nicht ein Telefonat aktiv zu uns. Es gab E-Mails nur, wenn wir E-Mails geschickt haben, dann kam eine Empfangsbestätigung oder vielleicht einmal eine Antwort.«

Die Eltern von Billy Six werden jeden Tag vor dem Auswärtigen Amt am Werderschen Markt in Berlin demonstrieren, bis ihr Sohn freigelassen wird.

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