CSU-Legende Franz Josef Strauß (1915-1988) gehörte nach eigener Aussage dem »Verein für klare Aussprache« an

Schon Otto von Bismarck wusste: »Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.« Und auf Beerdigungen, möchte man angesichts des Trauerspiels in der CSU hinzufügen.

»Es lohnt sich, für eine Überzeugung zu kämpfen«, verkündete CSU-Chef Horst Seehofer auf dem Höhepunkt der Asyl-Schmierenkomödie, quasi am offenen Grab der CSU. Vorstandsmitglied Dorothee Bär, stimmte dienstbeflissen in den Nachruf ein: »Habemus Einigung!«

Was würde Franz Josef Strauß zu dem CSU-Lügenmärchen von der »echten Asylwende« (Markus Söder) sagen? Er  würde den CSU-Totengräbern Seehofer, Söder und Alexander Dobrindt gewaltig den Marsch blasen. Und es wäre ganz sicher nicht der Bayerische Defiliermarsch. Basierend auf dem Duktus historischer »FJS»-Klartextreden (Sonthofen, Wienerwald) und anderer Strauß-Zitate hat der Deutschland-KURIER die »Wutrede« der CSU-Legende nachempfunden:

»Meine Damen und Herren,  

ich bin nicht dafür bekannt, dass ich Kreide fresse, um eine angenehmere Stimme oder eine angenehmere Diktion vorzutäuschen, sondern ich bin dafür bekannt, dass ich sage, was ich denke, und dass ich auch das denke, was ich sage. Dieser Faschingszug, den die CSU in den Berliner Asyl-Chaos-Tagen dargeboten hat – das war nicht einmal ein Trauerzug anlässlich ihrer eigenen Beerdigung.

Das war ein Faschingszug, Karnevalszug in Abschnitten.

Da klopft sich jetzt jeder selber auf die Schulter, da klopfen sie sich gegenseitig auf die Schulter, auch der Herr Ministerpräsident. Im letzten Akt dieser Volksverdummungskomödie haben sich CDU und CSU also geeinigt. Solange geeinigt, bis die Wirklichkeit anklopft. Ich bin, wie alle wissen, ein führendes Mitglied des Vereins für deutliche Aussprache. Deshalb sage ich in aller Deutlichkeit: Dieser wachsweiche und völlig unausgegorene Kompromiss ist das Papier nicht wert, auf dem er steht. Er ist wirkungsgleich mit dem Totenschein der CSU. Die Grenzen bleiben weiterhin offen wie ein Scheunentor.

Was die Union nach ihren Chaos-Wochen vorgelegt hat, ist eine unkoordinierte nationale Scheinlösung zu Lasten Dritter, vor allem Österreichs. Küss die Hand, der nächste Koalitionsstreit ist vorprogrammiert.

Nach der Regierungskrise ist vor der Regierungskrise!

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Seid’s denn wirklich so naiv, zu glauben, Bayern könnte im Alleingang bestimmen, wie der Weg der Sterne sich vollziehen soll bei der Masseneinwanderung? Das kommt mir genauso vor, wenn der kleine Max mit der Kindertrompete neben der Militärmusik von Frau von der Leyen herläuft und sagt, er habe das Marschkonzert bestimmt. In der Analyse ist dieser Konflikt spektakulär ungelöst. Was da als rettende Einigung verkauft wurde – ›habemus pactum‹ –, ist in Wahrheit eine Mogelpackung, ein Potemkinsches Dorf. Das kommt mir so vor, als würde man einen Waldbrand mit der Spritzpistole bekämpfen wollen. Wie genau sollen die viel zitierten Transitzentren an der deutsch-österreichischen Grenze denn funktionieren? Wie viele Jahre wird es dauern, bis sie errichtet sind? Wer bewacht diese Lager? Und glaubt ernsthaft jemand, dass diese sogenannten Flüchtlinge oder ihre Schlepper gezielt diese Zentren ansteuern, statt auf die deutsch-tschechische Grenze auszuweichen oder sich durch die weiß-blauen Büsche zu schlagen? Oder vielleicht kommen sie demnächst aus Vorarlberg in Schlauchbooten über den Bodensee nach Baden-Württemberg. Der grüne Alt-Maoist in der Villa Reitzenstein (Stuttgarter Staatskanzlei, die Red.) hat doch schon angekündigt, er werde keine Transitzentren errichten.

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Ich greife mir ans Hirn: Zwerge im Westentaschenformat, eine Reclam-Ausgabe von Politikern seid Ihr heute auch in der CSU! Politische Pygmäen mit 1,93 Meter Körpergröße. Wer über die ›Herrschaft des Unrechts‹ klagt, aber alles in der sogenannten Flüchtlingspolitik mitgetragen hat seit 2015, ist ein politsüchtiger Depp, ein billiger politischer Abklatsch meiner selbst. Der Unterschied zwischen Seehofer und mir besteht darin, dass ich früher stets genau richtig lag und er heute immer exakt falsch liegt. Man kann es noch drastischer hinterfragen, nämlich so wie die Alpen-Prawda: Wie ›psycho‹ ist dieser CSU-Vorsitzende eigentlich?

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Das Ausland empfindet es schlichtweg als unerträglich, von Deutschland ohne Unterlass ermahnt und belehrt zu werden. Die sogenannte Flüchtlingspolitik ist dafür das bisher heftigste Beispiel. Der emotionsgeladene Fanatismus, der in dieser Frage insbesondere von linken und grünen Kreisen und vor allem auch von der linksgrünen CDU praktiziert wird, stößt ab und alarmiert.

Er weckt draußen Misstrauen gegen die irrationalen Deutschen, die offensichtlich wieder einmal glauben, am deutschen Wesen müsse die Welt genesen.

Die Reaktionen aus Österreich, aus Ungarn, Tschechien und Polen, und auch aus Italien sind verheerend.

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Die Stimmung in Deutschland lässt sich mit den fünf ›U‹ beschreiben: Ungewissheit, Unsicherheit, Unbehagen, Unruhe und politische Unzufriedenheit.

Die CSU war einmal die Hoffnung von Millionen Menschen auch außerhalb Bayerns. Die CSU habe Europa ›gerockt‹, behauptet dieser Riesenstaatsmann im Trachtenjankerl aus Brüssel. Geht’s noch? Für wie blöd haltet Ihr die Menschen eigentlich? Das einzige, was die CSU heute noch ›rockt‹, ist, dass sie am Rockzipfel von Frau Merkel hängt. Bei dieser Kampfbrigadistin aus der Uckermark kann man sich allerdings auf eines verlassen – ihre Charakterlosigkeit. Wenn sie in ihrer grenzenlosen Dummheit noch treu wäre, wäre es für uns schlimmer als so, wo sie in der Dummheit unzuverlässig ist. Aber wenn es ihr an den Kragen geht, kann man sich darauf verlassen, dass sie noch mit zum Schwur erhobener Hand SPD und Grünen ewige Treue gelobt.

Die Charakterlosigkeit dieser Frau verbunden mit ihrem Selbsterhaltungstrieb ist eine ihrer zuverlässig berechenbaren Komponenten.

Sie hat das Wellenreiten zum Prinzip erhoben.

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Jetzt, wo Ihr die CSU ins Grab schaufelt, dämmert’s euch, dass auf der rechten Seite des Spektrums zwangsläufig ein Vakuum entstehen musste, wenn man sich mit der Merkel-CDU auf einen Wettlauf nach links einlässt. Die Landtagswahl im Oktober kann die CSU abschreiben. Da braucht Ihr gar nicht erst hinzugehen! Wer everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody’s Depp. Eure Hetz-Strategie geht nicht auf, sie macht die AfD nur stärker. Ich hätte im übrigen nicht das geringste Problem damit, heute AfD zu wählen. Und noch eins schreibt Euch hinter die Ohren:

Ich halte Markus Söder zwar bestens geeignet für die Hauptrolle im Intrigenstadl.

Aber der Mann ist total unfähig zum Ministerpräsidenten. Ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles dafür. Man kann unter Umständen mit jedem regieren. Aber nicht mehr in dem Zustand. Das Kapitel ist mit dem 14. Oktober abgemeldet. Ich darf daran erinnern, dass ich immer gesagt habe: Manche Sachen müssen zu Ende faulen, um eine Fehlentwicklung sichtbar zu machen. Offensichtlich muss es noch wesentlich tiefer sinken!«

QUELLEBild: imago
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