Der CDU-Parteitag  war ein an Realsatire grenzendes Panoptikum:

Die Verzwergung von Leipzig

„Ende eines Hoffnungsträgers“: Friedrich Merz hat auf dem CDU-Bundesparteitag in Leipzig auf der ganzen Linie versagt

Was für ein erbärmliches Schauspiel!  Der Leipziger CDU-Parteitag hat letzte Klarheit geschaffen:  Die Christliche Desaster Union (CDU) war, ist und bleibt ein Totalausfall für Deutschland! Der vermeintlich konservative „Messias“ Friedrich Merz entpuppte sich einmal mehr als falscher Prophet.

Selbst die letzten, die noch einen Funken Hoffnung hatten, sind nach dem Leipziger CDU-Kongress reichlich desillusioniert: „Ende eines Hoffnungsträgers“, resümierte das liberal-konservative Meinungsmagazin „Tichys Einblick“ und ätzte: „Friedrich Merz hat sich vor Annegret Kramp-Karrenbauer selbst verzwergt. Und der Rest von konservativem Flügel der CDU hat keine Hoffnung mehr.“

Ein Jahr nach seinem verpatzten Auftritt in Hamburg hat Friedrich Merz, der „Störenfriedrich der CDU“, auch seine zweite und mutmaßlich letzte Chance vergeigt. Sein gespenstischer 13 Minuten-Auftritt in Leipzig war einfach nur »grottt-ttten-schlecht!« Von der mit viel Wortgeklingel angekündigten „Grundsatzrede“ blieb allein und wieder einmal nur die totale Unterwerfung des Sauerländers unter die Saarländerin übrig. Die sogenannte WerteUnion und der CDU-Wirtschaftsflügel leisteten zusammen mit Merz in Leipzig den politischen Offenbarungseid. Der Aufstand der vermeintlich Konservativen in der Union blieb aus – mangels Aufständischer. Auch die Plastiktaschenmesser-Revolutionäre um Junge Union-Chef Tilman Kuban ließen ihre Messerchen eingeklappt und jubelten wie gehabt der politischen Totalversagerin Annegret Kramp-Karrenbauer (Kra-Ka) zu.

Wie auf dem Sprungturm

„Tichys Einblick“ fühlte sich an „dieses grauenhafte Bild aus dem Schwimmbad“ erinnert: Da stehe ein schmächtiger, mit 1.98 Meter zu groß geratener „Junge“ von 64 Jahren auf dem Sprungturm, ganz oben auf dem Brett, fünf Meter über dem Wasser. „Und er springt nicht. Und die Kumpels rufen: Spring doch. Und dann springt er nicht. Er dreht sich um und klettert die Leiter runter, an der sich die anderen an ihm vorbei hoch drängeln. Und über ihn schmunzeln.“

Friedrich Merz präsentierte sich in Leipzig als der ewige Zauderer, der er immer war, ist und bleibt: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ Wäre nicht ein gewisser Ralph Brinkaus, sondern der legendäre SPD-Zuchtmeister Herbert Wehner CDU/CSU-Fraktionschef, hätte er gesagt: „Der Herr badet gern lau.“

Kra-Ka stellt die Machtfrage

Vor Beginn des CDU-Parteitages gab es nur ein Tuschelthema: Wagt er es, oder kneift er (wieder)? Wird Friedrich Merz die Konfrontation suchen oder wird er sich, wie immer, wenn es zum Schwur kommt, wegducken?

Im Angesicht der 1.001 Delegierten aus der mehrheitlich linksgrünen CDU-Funktionärsschicht schrumpfte der 1,98 Meter-Mann zum handzahmen Männlein. Wieder einmal bestätigte sich in Leipzig: CDU-Parteitage sind noch immer Merkelland. Auch die Kanzlerin wurde vom Parteitag mit stehenden Ovationen gefeiert.

Knapp 90 Minuten lang hatte Merkels Klon, die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, im saarländischen Singsang gesprochen. Dann, am Ende ihrer Rede, überrumpelte sie die Delegierten regelrecht, stellte nicht ungeschickt die Machtfrage:

„Wenn ihr der Meinung seid, dass dieses Deutschland, so wie ich es möchte, nicht das Deutschland ist, das ihr euch vorstellt, wenn ihr der Meinung seid, dass dieser Weg, den ich gemeinsam mit euch gehen möchte, nicht der Weg ist, den ihr für den richtigen haltet, dann lasst es uns heute aussprechen. Dann lasst es uns heute auch beenden. Hier und jetzt und heute.“

Dann fügte ausgerechnet die so ziemlich unbeliebteste Politikerin Deutschland hinzu: „… aber, liebe Freundinnen und Freunde, wenn ihr der Meinung seid, dass ihr dieses Deutschland wollt, wenn ihr der Meinung seid, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen sollten, wenn ihr die gleiche Lust am Gestalten (sie meinte wohl: am Untergang, Anmerkung der Red.) und Verantworten habt, wie ich das habe, dann lasst uns hier und jetzt und heute die Ärmel hochkrempeln und damit anfangen. Vielen Dank.“

Mit einem deutlichen Seitenhieb auf Merz sagte sie: Es dürfe nicht sein, dass die CDU die von der Union geführte Bundesregierung „schlechtrede“ – „das ist keine erfolgreiche Wahlkampfstrategie!“ Frenetischer Jubel, eine einzige Demütigung des verhassten Rivalen! Merz hatte nach der Wahlschlappe in Thüringen das Erscheinungsbild der Bundesregierung als «grottenschlecht» bezeichnet und dafür vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel verantwortlich gemacht.

Die Klatschhasen

Sieben Minuten lang applaudierten die 1.001 CDU-Klatschhasen Kramp-Karrenbauer stehend. Wie tief kann man(n) nur sinken: Auch Friedrich Merz, der noch vor zwei Wochen tönte, es müsse sich etwas ändern, spendete der CDU-Vorsitzenden demonstrativ Beifall! Szenen wie vom Volkskongress der KP Chinas.

War da nicht mal was – zum Beispiel eine krachende Wahlniederlage der CDU zuletzt am 27. Oktober in Thüringen. Hatte der große Wahlverlierer Mike Mohring nicht Konsequenzen für die Bundes-CDU gefordert? Hatte er nicht getönt: „Das Ergebnis kann auch in Berlin niemand abschütteln.”?

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der andere große Wahlverlierer und Parteitags-Conférencier auf dem Podium, kriegte sich gar nicht mehr ein vor lauter Bücklingen: «Der Applaus zeigt: Heute wird nicht Schluss gemacht, Annegret. Heute geht es erst richtig los.»

Die „Grundsatzrede“

Als sechster (!) Redner der Aussprache kam schließlich der in den Senkel gestellte Friedrich Merz zu Wort. Seine mit viel Wortgeklingel angekündigte „Grundsatzrede“ blieb – wie nicht anders zu erwarten – aus. Stattdessen rutschte der Sauerländer 13 Minuten lang auf seiner eigenen Schleimspur aus:

„Ich bin dir dankbar für deine mutige, kämpferische, nach vorne weisende Rede“, rief er Kra-Ka liebedienerisch zu. Es grenzte an Realsatire, als er fortfuhr: „Wir sind loyal zu unserer Vorsitzenden, zu unserer Parteiführung und zur Bundesregierung“. Peinlicher geht’s nimmer? Peinlicher geht’s immer!

Zucker für den Affen

„Wir können nicht draußen über Zusammenhalt sprechen, wenn wir innerhalb Gruppen ausgrenzen.“ Merz widersprach damit (ein bisschen) der Parteivorsitzenden, die zuvor mit den Worten, die CDU sei ein Wert an sich, die sich konservativ nennende „WerteUnion“ gedeckelt hatte. Merz ergänzte pflichtschuldigst: „ Das allerbeste wäre es, wenn es solche Gruppen gar nicht geben müsste.“

Er selbst werde sich weiter für die CDU einsetzen, sagte Merz weiter: „Wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, dann bin ich dabei.“

Für die meisten im Saal klang das nur noch wie eine Drohung. „Ich schätze es nicht, wenn Leute in ein Mikrofon sagen, dass unsere Regierungsarbeit grottenschlecht ist“, sagte Martin Meffert, Kreisgeschäftsführer der CDU Lippe und traf die Stimmung dieses Jubelparteitages: „Wir brauchen keine Leute, die nach 17 Jahren aus dem Loch kommen und meinen, sie müssten uns erklären, wie man CDU-Politik richtig macht.“ (oys)

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