Auflagenvernichter: Springer-Vorstand Mathias Döpfner (55/li.) und sein Protegé, der ideologisch verblendete ›Bild‹-Chef Julian Reichelt (38), stehen in Euopas größtem Verlagshaus schwer unter Druck

Mainstream-Presse schmiert immer mehr ab:

Alle drei Monate kommt für die Mainstream-Presse die Stunde der Wahrheit: Dann veröffentlicht die ›Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbe­trägern e.V.‹ (IVW) mit Sitz in Berlin die geprüften »harten« Quartals-Auflagen – Einzelverkäufe und echte Abos ohne Schnickschnack wie Bordexemplare, Lesezirkel und kostenlose Werbestücke.

Der vierteljährliche Tag der Abrechnung bescherte den meisten Tages- und Wochenzeitungen am 19. Juli wieder dramatische Auflagenverluste. Unter den sieben überregionalen Tageszeitungen findet sich mit dem Düsseldorfer ›Handelsblatt‹ nur ein Gewinner, und dies auch nur dank steigender Digital-Kunden-Kartei.

Die großen Verlierer kommen mit ›Bild‹, ›Welt‹ und ›Bild am Sonntag‹ erneut allesamt aus dem Verlag Axel Springer!

Nach 12 Prozent im ersten Quartal 2018 verlor ›Bild‹ im zweiten Quartal 10,5 Prozent »harte« Auflage – oder, in absoluten Zahlen: Das zum Seelenverkäufer heruntergekommene einstige Boulevard-Schlachtschiff verjagte einmal mehr rd. 165.000 Leser. Damit ist das einstige Fünf-Millionen-Blatt bei kaum mehr als 1,3 Millionen ehrlicher Auflage angekommen – ohne Auflagenkosmetik wie die vom Verlag eingerechnete schwindsüchtige Berliner ›B.Z.‹ und die floppende ›Fußball-Bild‹.

Für den neuen ›Bild‹-Alleinherrscher, Vorstands-Protegé Julian Reichelt, ein einziges Debakel. Der 38-Jährige, dessen Feindbilder sich zwischen den Koordinaten AfD, Assad und Putin bewegen, verliert in der Redaktion massiv an Autorität und Rückhalt. Sein vermeintlich regierungskritischer Asyl-Kurs kommt bei den Rest-Lesern offenbar nicht an – und die bereits hunderttausenfach vergraulten Leser nehmen Reichelt die harte Tour nicht mehr ab, nachdem sich ›Bild‹ unter dem Welcome-Aktivisten Kai Diekmann vor drei Jahren an die Spitze der politischen Schleuser-Bewegung gesetzt hatte. »Der Letzte macht das Licht aus«, witzeln sie auf den Redaktionsfluren (wo sie schon mit der Kerze in der Hand herumlaufen).

Nicht viel besser erging es wiederum der ›Bild am Sonntag‹ unter ihrer linksgrünen Chefredakteurin Marion Horn (–10%). Mit rund 793.000 Exemplaren ist das Blatt längst da, wo ›Bild‹ noch hin will: unter einer Million.

Ein weiterer großer Verlierer folgt mit der ›Welt‹. Das Blatt, einst mit weit mehr als 200.000 Auflage das konservative Flaggschiff des 1985 verstorbenen Patrioten Axel Springer, hat der aktuelle Zeitgeist-Chefredakteur Ulf Poschardt auf etwas mehr als 80.000 Exemplare heruntergewirtschaftet – minus 8,9 Prozent im 2. Quartal!

Vorstandschef Mathias Döpfner, der bei seinem Amtsantritt vor 16 Jahren der Verleger-Witwe Friede Springer versprach, er werde »Geist und Geld« vereinen, soll intern zunehmend unter Druck geraten. Denn: Trotz seines strammen Digital-Kurses macht Axel Springer noch immer ein Drittel seines Umsatzes mit Print.

Wie es im Verlag heißt, war die Patriarchin von Anfang an nicht davon begeistert, dem ideologisch verblendeten Überzeugungstäter Reichelt die ›Bild‹ anzuvertrauen – zumal dieser ebenso wie seine kurzzeitige glücklose Vorgängerin Tanit Koch ein Gewächs des ›Bild‹-Totengräbers Diekmann ist.

Desaströs auch die Auflagen-Verluste der Linksmedien ›Stern‹ und ›Spiegel‹ mit rd. 15 bzw. 8 Prozent. Einzig die liberal-konservative ›Junge Freiheit‹ legte unter ihrem Chefredakteur Dieter Stein wie gehabt gegen den Trend weiter zu und kommt jetzt auf rund 30.000 ehrlich verkaufte Exemplare.

QUELLEBilder: imago
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