Deutsche Bank und Commerzbank:

Die politisch gewollte Fusion und was Sie darüber wissen sollten

Ein Kommentar von Hanno Vollenweider

Wenn Sie sich auch denken: »Bankenfusion, was interessiert mich das?«, dann sollten Sie diesen kurzen Text besonders aufmerksam lesen. Keine Angst, ich werde versuchen, Sie nicht mit Zahlen zu langweilen. Vielmehr möchte ich Ihnen ein paar wichtige Infos zu den Hintergründen und vor allem zu den Abgründen geben, die diese Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank mit sich bringen wird und Ihnen erklären, warum Sie das alles viel stärker betrifft, als Sie vielleicht denken.

Die Fusion von Deutscher Bank (li.) und Commerzbank ist von langer Hand vorbereitet: Und die Bundesregierung steckt mittendrin

Auch wenn die Zeitungen in den letzten Tagen etwas anderes behauptet haben, die Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank kommt. Nicht weil sie sinnvoll ist, ganz im Gegenteil, beide Banken sind Pleitekandidaten. Beide verfolgen ein altbackenes Geschäftsmodell und sind hoch verschuldet. Allein die Deutsche Bank hält für 48 Billionen Euro bedrohliche Derivate außerhalb ihrer Bilanz, eine tickende Zeitbombe! Um das zu verdeutlichen: 48.000.000.000.000 Euro sind das 14-Fache des Bruttoinlandsprodukts dieses Landes oder in diesem Fall vielleicht noch wichtiger zu erwähnen: knapp das 750-Fache des Eigenkapitals der Bank selbst. Zu allem Überfluss laufen gegen die Bank weltweit noch rund 7.800 Verfahren. Nochmal: eine tickende Zeitbombe!

Bei der Commerzbank sieht es nicht besser aus. Schon während der letzten Finanzkrise wurde die Bank teilverstaatlicht. Die Bundesregierung hat damals 16 Mrd. Euro in die Bank »investieren« müssen und hält heute noch Anteile in Höhe von 15% an der Bank. Und auch nach der Fusion wird die Bundesregierung an dem neuen Konstrukt sicherlich noch gute 8% halten. Klingt zwar wenig, ist aber viel und macht es für die Bundesregierung gleichzeitig einfacher, über Garantien, die Förderbank KFW etc. Geld in das neue Bankenkonstrukt zu pumpen. Dazu sei nebenbei erwähnt: Durch die Beteiligung ist das ohne Zustimmung des Parlaments möglich.

Nicht unerhebliche Anteile an beiden Banken haben übrigens auch die umstrittenen Fondsgesellschaften BlackRock und Cerberus Capital Management – beide mit großem politischen Einfluss und selbstverständlich einem Eigeninteresse an der Fusion der beiden Banken. Denn egal ob es der Bank gut geht oder sie durch den Staat gerettet werden muss, diese beiden Unternehmen gewinnen immer.

Aber zurück zur politischen Motivation dieser Fusion. Dass unser System krank ist, brauche ich hier wahrscheinlich nicht zu erwähnen. Die Energiewende, die neue Klimapolitik und die damit verbundene Abschaffung des Verbrennungsmotors, Russlandsanktionen, Altmaiers »Industriestrategie 2030« (oder besser Planwirtschaft 2.0), Massenmigration, der Ruf nach mehr sozialem Wohnungsbau und Enteignungen sowie EU und Euro sind ideologische Konzepte und haben mit vernünftigem und überlegtem Handeln nichts mehr zu tun. Außerdem haben sie alle noch eine Sache gemeinsam: Sie kosten ein »Schweinegeld«! Um Subventionen zu verteilen, die Wirtschaft mit billigen Krediten zu stützen etc. braucht es eine starke, trend- und marktbestimmende Bank, am besten eine, auf die die Bundesregierung ordentlich Einfluss hat. Wie wichtig dies für Merkel und Co. zu sein scheint, wird durch ein paar Hintergrundinfos deutlich.

Offiziell heißt es, die Bundesregierung hält sich aus den Fusionsgesprächen heraus. Fakt ist aber, dass sich Vertreter der Banken in den letzten Monaten mehrfach mit Merkels Wirtschaftsberater Lars-Hendrik Röller getroffen haben. Richtig spannend wird es aber erst, wenn man sich den Terminkalender von Jörg Kukies anschaut. Der Name sagt Ihnen nichts? Dann sollten Sie Ihre Ohren spitzen! Jörg Kukies ist seit 2018 Staatssekretär für Finanzarchitektur im Finanzministerium von Olaf Scholz. Kukies ist SPD-Mitglied und war Anfang der 1990er-Jahre Vorsitzender der Jusos des Landesverbandes Rheinland-Pfalz und dort somit der Vorgänger von Andrea Nahles. Im Gegensatz zu Nahles kann Kukies jedoch eine fundierte Ausbildung und einiges an Berufserfahrung vorweisen und da wird es spannend! Denn Herr Kukies gab seinen hochbezahlten Job als Co-Vorsitzender von Goldman Sachs Deutschland auf, um als Staatssekretär für Olaf Scholz zu arbeiten. Und das für ein Jahreseinkommen von »nur« 160.000 Euro und ohne die Chance auf dicke Boni. Für Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz sicherlich ein Gewinn, so einen erfahrenen Banker an seiner Seite zu haben, der aufgrund seiner politischen Laufbahn nicht nur Persönlichkeiten wie EZB-Chef Mario Draghi kennt. Man könnte jetzt also die Frage stellen: Was aber verspricht sich Jörg Kukies, der sich nach eigenen Angaben auch besonders für Projekte zur Integration von Migranten und Flüchtlingen in Deutschland engagiert, nur von diesem Job? Wir wissen es nicht!

Was wir wissen, ist, dass sich Kukies in den letzten Monaten knapp 30 Mal mit Vertretern der Banken getroffen hat und dafür gäbe es keinen Grund, wenn die Fusionsverhandlungen nicht vom Finanzministerium forciert wären. Ich möchte sogar noch weiter gehen und Merkels persönliche Zurückhaltung als Taktik betrachten. Lässt Merkel diese politisch gewollte Fusion durch den Staatssekretär ihres Finanzministers und Vizekanzlers heimlich vorantreiben? Offiziell heißt es seit knapp vier Wochen offiziell, dass Fusionsgespräche stattfinden, im Hintergrund scheinen die Gespräche aber schon Monate zu laufen.

Ist man in den Teppichetagen der Banken in Frankfurt unterwegs, dann hört man die Fusionsgerüchte schon seit Ende letzten Jahres. Man munkelt sogar, dass Merkel das Geldinstitut nach der Fusion gerne »Die Bank« nennen würde. In Anlehnung an ihre Wortkreation »Die Mannschaft« wäre das doch nur logisch, immerhin passen die Worte »Deutsche« und »Commerz« ganz sicherlich nicht zum Neusprech der Kanzlerin – warten Sie nur ab, bald heißt dann auch die Bundesrepublik nur noch »Das Land«.

Aber Spaß beiseite. Die Zeichen stehen auf Sturm. Die »Krise« von 2008 und das Bankensterben waren nie vorbei, man hat durch staatliche Eingriffe den großen Knall nur verschoben, auch die Bundesregierung weiß das. Das Geld sprudelt nicht mehr, in Deutschlands Haushalt tun sich Löcher auf und unsere Wirtschaft schwächelt immer mehr. Die Geldpolitik der EZB zeigt, worauf es auch in Deutschland hinauslaufen wird, Merkels Regierung driftet immer mehr in eine neosozialistische Wirtschafts- und Finanzpolitik ab. Gepaart mit den eingangs genannten ideologischen Maßlosigkeiten und der wachsenden Eurokratur führt der Weg unweigerlich in die Knechtschaft des Bürgers.

Das finden Sie überzogen ausgedrückt? Nun, dann sollten Sie sich vor Augen führen, wie die letzte »Bankenrettung« in der Laufbahn von Olaf Scholz ausgegangen ist. Scholz war auch maßgeblich an der »Rettung« der HSH Nordbank beteiligt, damals gab er als regierender Bürgermeister von Hamburg staatliche Garantien für die Pleitebank. Was aus der HSH Nordbank geworden ist, wird den meisten Lesern bekannt sein, über 13 Mrd. Euro sind dort einfach verpufft. Der Bürger musste zahlen, profitiert haben andere, Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Genau so funktioniert dieses System. Und mit der Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank versucht man das Ganze auf die Spitze zu treiben.

Ich sage: Wohlstand ade! Denn nicht der Staat wird pleitegehen, die Bürger werden es …

PS: Die HSH Nordbank wurde übrigens 2018 an den oben schon erwähnten US-Hedgefonds Cerberus Capital Management, für eine schlappe Milliarde Euro abgetreten.

Hanno Vollenweider

war viele Jahre Inhaber einer international tätigen Vermögens- und Unternehmensberatung in der Schweiz. Er ist Experte und Referent auf den Gebieten Risikomanagement, kreativer Steuergestaltung sowie Privat Equity und Venture Capital. Vollenweider ist Vorstandsmitglied in der Vereinigung der Freien Medien und der Herausgeber dessen gemeinschaftlichen Buches »Wir sind noch mehr – Deutschland in Aufruhr«. Er ist gegen zu viel Staat, liebt die Natur, lebt auf seinem eigenen kleinen Hof mit rund 20 Tieren und beschäftigt sich in seiner mageren Freizeit intensiv mit der Geschichte der Freiheitskriege und der Märzrevolution.

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