Die Goldene Hoftrompete für den Monat Februar geht an:

Elisabeth Wehling – die Hoftrompete der Hoftrompeter

Elisabeth Wehling – nie gehört, kenn ich nicht, wollten Sie gerade sagen? Doch, kennen Sie schon. Und gehört haben Sie von ihr wahrscheinlich schon mehr, als Ihnen lieb ist. Wann immer jemand »Fluchtbewegung« statt »Flüchtlingswelle« oder »Geflüchtete« statt »Flüchtlinge« sagt, hat die Sprach- und Medienwissenschaftlerin Wehling indirekt die Hände im Spiel gehabt.

In jedem Wort schwingt nämlich ein unausgesprochener Werterahmen mit, sagt Wehlings Theorie vom »Framing«. Je nachdem, wie man sich ausdrückt, kann man also über die anklingenden Assoziationen unbewusst Debatten lenken und die öffentliche Wahrnehmung eines Themas beeinflussen.

Wenn Trump, die AfD oder sonstige böse »Rechtspopulisten« das machen, ist das natürlich finstere Manipulation. Nicht umsonst bedeutet das englische Wort »framing« umgangssprachlich auch so viel wie »hereinlegen«. Etwas ganz anderes ist es natürlich, wenn die Guten sich dieses »Framing« zunutze machen.

Keine Frage, für Elisabeth Wehling gehören die öffentlich-rechtlichen Sender im Allgemeinen und die ›ARD‹ im Speziellen zu den Guten. Deshalb hat ihr »Berkeley International Framing Institute« – jaja, die Linguistin aus Hamburg betreibt ihre professionellen Propagandastudien im sonnigen Kalifornien – auch ein maßgeschneidertes »Framing Manual« gebastelt.

In dem 89 Seiten starken Handbuch stehen jede Menge Ratschläge für die bessere Selbstvermarktung, und praktische Formulierungsvorschläge gibt’s auch gleich dazu. Wichtigste Ermahnung: Bloß nicht mit Fakten und Faktenlisten daherkommen, und auf keinen Fall die »Frames« der Kritiker nutzen – auf Vorwürfe wie »Staatsfunk« oder »Zwangsabgabe« also gar nicht erst eingehen.

Da haben die Berater wohl klar erkannt, dass mit Fakten und Inhalten, womöglich sogar besseren, bei der ›ARD‹ gar nicht erst zu rechnen ist. Was die Manipulationsexpertin da unter dem Propagandatitel »Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD« zusammengetragen hat, klingt dann auch in der Tat mehr nach einem »Neusprech«-Wörterbuch Marke Orwell. Die ›ARD‹-Gewaltigen sollen den verstockten Bürgern auf allen Ebenen und Kanälen einhämmern, dass ihr Sender die höhere Moral gepachtet hat. »Moralisches Framing« nennt das Frau Wehling in ihrem Jargon.

Kostprobe gefällig? Die jetzt schon beschönigend als »Rundfunkbeitrag« bezahlte Zwangsgebühr wird noch dreister schöngefärbt: als »proaktive, selbstbestimmte (da demokratisch entschiedene) Beteiligung der Bürger am gemeinsamen Rundfunk ARD«. Zwar wird an der Rundfunkgebühr gar nichts »demokratisch« entschieden, sie wird von einer Kommission mit der Länderregierung ausgekungelt.

Den Bürgern hämmert man trotzdem ein, dass der Rundfunk »allen« gehört. »Bezahlen« ist übrigens auch ein Pfui-Wort, da sollen die Gebühreneinnehmer lieber »ermöglichen« sagen. Halt, die Sender nehmen ja gar kein Geld ein, sie »verwalten« das »Rundfunkkapital der Bürger«, die »sich in Deutschland seit jeher auf diese Weise ihren gemeinsamen, freien Rundfunk ARD ermöglichen«. Ein übler Geselle, wer da nicht freudig mitmacht.

Kapiert? Einfach nur störende Fakten und Tatsachen ausblenden und alles konsequent moralisch betrachten, und schon ist die Welt in Butter. Wenn Sie demnächst also einen ›ARD‹-Boss erzählen hören, seine Anstalt sei »der verlängerte Arm des Bürgers«, denn dort gebe es »Demokratie statt rechenschaftsfreier Echokammern«, dann wissen Sie schon einmal: Diese Perlen stammen aus dem Gehirnwäsche-Handbuch der Elisabeth Wehling.

Die Bürger sollen den Manipulations-Leitfaden vorsorglich aber doch nicht zu Gesicht bekommen, auch wenn angeblich die ganze ›ARD‹ sowieso ihnen gehört. Dafür hat ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab jedenfalls schon eifrig im »Framing Manual« gelesen. Seither verkündet sie in allen Interviews, man solle statt »öffentlich-rechtlicher Rundfunk« lieber gleich »Gemeinwohlmedien« sagen, das sei viel treffender.

Darauf muss man erst einmal kommen – das ist ja noch brillanter als seinerzeit die »Demokratieabgabe« des damaligen ›WDR‹-Chefredakteurs Fernsehen Jörg Schönenborn. Ein Hoch auf Elisabeth Wehling, die Hoftrompete der Hoftrompeten! (fh)

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