Die arme Tina. Im Sommer 2015, kurz vor Angela Merkels »Grenzen auf für alle«, wurde Tina Hassel Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios. In ihrer untertänigen Verehrung für die Willkommenskanzlerin lässt sich die Rotfunkerin vom WDR seither so leicht von niemandem überbieten. Sogar mit andächtig zur Raute gefalteten Händchen hat man sie schon vor der Kamera gesehen. Und jetzt soll alles zu Ende gehen? Nicht mit Tina!
Was hat sie sich in den letzten Wochen nicht ins Zeug gelegt, um die »Jamaika«­Schwampel als letzte Chance für die nächste Kanzlerschaft ihres Idols herbeizubeten und herbeizutwittern! Hunderte Kurznachrichten am Tag hat sie auf dem Höhepunkt des Sondierungs-Gewürges aus ihrem weich mit Zwangsgebührengeldern gepolsterten Berliner Chefsessel schon mal abgesetzt.
Pfui über jeden hat sie gegen Fieslinge ausgeschüttet, die was gegen den totalen Familiennachzug für alle und jeden haben. Denen soll das Wort »Familie« im Halse stecken bleiben, donnert die Tina, jawohl! Für sie ist sogar der »atmende Deckel«, den die Grünen aus der CSU-»Obergrenze« für die Aufnahme illegaler Migranten gebastelt haben, ein Geniestreich und jeder ein Schuft, der so einen Unfug nicht schluckt. Jamaika muss her, und »Asyl kennt keine Grenzen«. So geht »unabhängiger« öffentlich-rechtlicher Fernsehjournalismus.

Mit ihrer »Jamaika«-Begeisterung steht Tina Hassel ja nicht alleine da. Auch die ZDF-Kollegen dreschen nach Kräften auf die Spielverderber ein, die bei der schwarz-gelb-grünen Schwampel nicht mitmachen wollen. Aber der ARD-»Brennpunkt« am Tag nach dem Platzen der Sondierungsgespräche schießt einsam den Vogel ab.
Den blöden Lindner von der FDP, der der unfehlbaren Kanzlerin die kalte Schulter gezeigt hat, den ollen Sozi-Chef Schulz, der nicht mehr Merkels Mehrheitsbeschaffer spielen will, bürstet Tina Hassel patzig ab, aber mit der »geschäftsführenden Bundeskanzlerin«, die es »noch einmal wissen will«, führt sie ein andächtiges Verherrlichungsinterview, um ihr das Versprechen zu entlocken, dass sie weitermachen will. Ja, darauf haben wir gewartet. Merkel hat ja nichts falsch gemacht, sie ist nach der »Jamaika«-­Pleite sogar noch »gestärkt«, schuld sind immer nur die anderen. Honeckers Regierungsfernsehen hätte das auch nicht schöner hinbekommen.
Fragt sich bloß: Was will Tina Hassel mit diesem Heldenkult erreichen? Will sie Chefideologin der Grünen werden? Oder Merkels nächste Regierungssprecherin? Das könnten recht kurzlebige Jobs werden. Aber die Goldene Hoftrompete, die bleibt. Und wer hätte sie mehr verdient als die treue Tina?

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