Die Mainstream-Medien haben Merz als Kanzlerkandidaten abgeschrieben:

„Mit Raubtiergebrüll gestartet und als Bettvorleger gelandet“

Der Leipziger CDU-Parteitag ist das dominierende Kommentar-Thema in den Mainstream-Medien.

Friedrich Merz „landet abermals nach infernalischem Raubtiergebrüll als Bettvorleger“

 

Annegret Kramp-Karrenbauer habe mit ihrer Rede demonstriert, dass sie von ungebrochenem Führungswillen angetrieben sei, kommentierte Stephan Detjen im „Deutschlandfunk“. Friedrich Merz sei danach „nicht mehr viel mehr übrig geblieben, als unter offenem Gelächter seine Loyalität zu behaupten.“

Die „Aachener Zeitung“ notiert: „Friede, Freude, Eierkuchen. Von Streitkultur war an diesem ersten Tag in Leipzig nicht viel zu sehen. Stattdessen: Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb.“ Durch diese „Art der Nicht-Auseinandersetzung“ sei „einmal mehr der Eindruck erweckt wird, dass man es mit reinem Polit-Theater zu tun hat“, resümiert das nordrhein-westfälische Regionalblatt.

Nach Meinung der „Süddeutschen Zeitung“ hat sich in Leipzig gezeigt, „dass die Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer in der Lage ist, unerschrocken und mutig zu handeln. Nachhaltig sind ihre Alleingänge aber nicht. Mit ihrem Auftritt hat sich die CDU-Chefin erst einmal gegen ihre Kritiker durchgesetzt. Aber die Zweifel an ihr sind dadurch nicht kleiner geworden. Auch nach diesem Parteitag sehnt sich kaum einer in der CDU danach, mit Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin in einen Wahlkampf zu ziehen.“

Das Springer-Blatt „Welt“ sieht es so: Trotz massivem Applaus gehe Kramp-Karrenbauer aus diesem Parteitag „eher als Überlebende denn als strahlende Siegerin“ hervor – „vor allem aber muss sie beim Bürger und Wähler populärer werden, wenn ihr auch der nächste Parteitag gehören soll.“

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ stellt folgende Betrachtung an: „Kramp-Karrenbauer ließ kaum ein gutes Haar an den großen Linien der Koalition. Sie lieferte keine Abrechnung, distanzierte sich aber deutlich von der Ära Merkel. Sie reihte aneinander, was zu spät, zu zaghaft, zu unvollkommen, zu dürftig gelaufen sei. Merkel wurde zu Beginn des Parteitags zwar ausgiebig gefeiert, aber spätestens, als Jens Spahn auf ihren Abschiedsbrief gegen Kohl anspielte, merkte man doch, wie sie schon während der Rede Kramp-Karrenbauers zusehends kleiner geworden war.“

Die „Augsburger Allgemeine“ sieht die Union einfach nur noch „ausgezehrt“: „Sie hechelt einem diffusen Zeitgeist hinterher und spürt insgeheim doch, dass sie nicht grüner als die Grünen werden kann und nicht sozialer als der SPD. Wenn ein Mann wie Friedrich Merz nun als Kanzlerkandidat gehandelt wird und die amtierende Parteivorsitzende ohne Not eine Art Vertrauensfrage stellt, ist das auch ein Ausdruck dieser inhaltlichen Ausgezehrtheit.“

Der Berliner „Tagesspiegel“ glaubt dagegen nicht mehr an den Hoffnungsträger Friedrich Merz: „Ein Jahr nach seiner verpatzten Rede bei der Bewerbung um den Parteivorsitz verstolpert Merz auch zu Beginn seinen Leipziger Auftritt, als er sich und die CDU als loyal lobt. Kopfschütteln im Saal. Wer hat Merkels Regierung noch mal ein grottenschlechtes Erscheinungsbild attestiert und das Revolutionsgeraune damit befeuert? Viel gefährlicher könnten Kramp-Karrenbauer am Ende ohnehin Armin Laschet und Jens Spahn werden, die ihr noch den Rücken stärken“, analysiert das führende Hauptstadt-Blatt.

Der „Wiesbadener Kurier“ ätzt: „Friedrich Merz landete abermals nach infernalischem Raubtiergebrüll als Bettvorleger, andere Rivalen ahnen, dass ihre Zeit noch nicht gekommen ist.“ (elf)

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