Eine mutige und kritische Stimme ist verstummt

Modeschöpfer Karl Lagerfeld gestorben

Ein Nachruf von Boris T. Kaiser

Der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist tot. Der in Frankreich lebende Hamburger gehörte zu den schillerndsten Figuren der Glamour-Branche. Nicht nur sein extravagantes Auftreten, sondern auch sein Verstand machten den Designer weit über die Pariser Modewelt hinaus zum Star. Sein Humor und seine spitze Zunge sind Kult. Lagerfeld-Sprüche wie »Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren« oder »Stress kenne ich nicht. Ich kenne nur Strass«, sind heute vielzitierte Klassiker.

Karl Lagerfeld (* 10. September 1933 † 19. Februar 2019)

Der Mode-Zar sagte alles, was man eigentlich nicht mehr sagen darf. Die Sängerin Adele finde er »ein bisschen zu fett«, bekannte er einst völlig unverblümt. So etwas gilt heute als »Body Shaming« und ist politisch höchst inkorrekt. Das Enfant terrible, das einst selbst durch eiserne Disziplin 40 Kilo abgenommen hat, pfiff stets auf Political Correctness und erzwungene Nettigkeiten.

Über Deutschlands oberste Model-Gouvernante, Heidi Klum, sagte er einmal: »Ich kenne sie nicht. Claudia [gemeint war Claudia Schiffer] kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.«

In der letzten Zeit schlug Lagerfeld deutlich ernstere Töne an. Der Zustand seines Heimatlandes Deutschland bereitete ihm tiefe Sorgen. Die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel machte ihn gar regelrecht wütend. »Selbst wenn Jahrzehnte dazwischenliegen, kann man nicht Millionen Juden töten und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde holen«, sagte Lagerfeld in Hinblick auf den im Rahmen der islamischen Masseneinwanderung importierten islamischen Antisemitismus.

In Richtung der Kanzlerin fragte er: »Musste sie sagen, dass man eine Million Migranten willkommen heißen muss?« Merkels Naivität in der Flüchtlingsfrage löste bei Lagerfeld buchstäblich Hassgefühle aus, die er auch ganz klar und deutlich formulierte: »Man muss sich der Vergangenheit, die wir in Deutschland haben, erinnern. Ich hasse Merkel dafür, dass sie das vergessen hat.«

Mit Lagerfelds Tod verstummt eine weitere kluge und kritische deutsche Stimme. Sein Mut, seine Brillanz und seine Ehrlichkeit werden fehlen. In Zukunft vielleicht sogar noch mehr, als uns in diesem Moment bewusst ist.

Kurzbiografie Karl Otto Lagerfeld

* 10. September 1933 in Hamburg

1953 – Übersiedlung (mit seiner Mutter) nach Paris

1954 – Lagerfeld gewinnt den »International Woolmark Prize« für den Entwurf eines Mantels, dies verhilft ihm zum Einstieg in die Welt der Pariser Modeschöpfer

1954 bis 1957 – Schneiderlehre beim französischen Designer Pierre Balmain, bei dem er auch seine erste Anstellung erhält

ab Mitte 1950er – Tätigkeiten u. a. für die Modehäuser Balmain, Patou und Chloé, später auch für Fendi in Rom

seit 1974 – Entwirft Damen- und Herrenmode auch unter seinem eigenen Namen

1983 – Wechsel als künstlerischer Direktor zu Chanel

2010 – Ernennung zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion

† 19. Februar 2019 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich

Seine besten Sprüche:

»Angela Merkel will sich ein nettes Image verschaffen. Wir können nicht, selbst wenn Jahrzehnte zwischen den beiden Ereignissen liegen, Millionen Juden töten und Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen.«

»Political Correctness verwandelt die Welt in ein Tal der Langeweile.«

»Ich hasse das Wort billig. Menschen sind billig, Bekleidung ist dagegen teuer oder preiswert.«

»Eine Frau ohne Stil hat auch in einem Kleid mit Stil keinen Stil.«

»Um meine Mutter zu zitieren: ›Du hättest mehr aus dir machen können, aber bei deinem Mangel an Ehrgeiz ist es schon okay, was du geschafft hast.‹«

»Am Fließband stehen, das ist Arbeit. Was ich mache, ist Freizeitgestaltung mit beruflichem Hintergrund.«

»Ich war nie ein Feminist, ich bin dafür nicht häßlich genug.«

»Die meisten Menschen können einfach nicht allein sein und ziehen eine drittklassige Gesellschaft dem Alleinsein vor.«

»Ich leide an einer Überdosis meiner selbst.«

»Das Geld muss aus dem Fenster, damit es zur Tür wieder reinkommt.«

»Mir geht manches durch den Mund, bevor es mir durch den Kopf geht.«

»Für Urlaub habe ich keine Zeit. Zwischendurch fahre ich auf mein Schloss in die Bretagne oder nach Monte Carlo.«

»Jammerlappen bewegen nichts. Selbstmitleid ist out.«

»Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.«

»Die Sonnenbrille ist mein mobiler Lidschatten. Durch sie sieht alles ein bisschen jünger und schöner aus.«

»Ich habe mich in der Schule dauernd selbst krankgeschrieben. Einmal hab ich sogar Kinderlähmung vorgespielt.«

»Stress? Das kenne ich nicht, ich kenne nur Strass.«

»Das wirkliche Drama der Reichen ist, dass es immer noch reichere gibt.«

»Witzig zu sein, macht keinen Spaß. Sie müssen amüsant sein.«

»Ich hasse nichts mehr als Designer, die auf intellektuell machen. Ich bin nicht intellektuell, nur ziemlich kultiviert. Und die anderen in der Modewelt lesen sowieso nicht.«

»Müdigkeit ist doch etwas, das man sich selbst vormacht.«

»Selbstgefälligkeit ist die schlimmste Bremse im Leben, die einem passieren kann.«

»Man braucht Enthusiasmus für das, was man macht. Und eine gute Umgebung von Leuten, die nicht über Krankheit und über das Altern sprechen. Ich kenne niemanden aus meiner Generation. Ich finde diese Leute entsetzlich. Selbst Jüngere sprechen nun schon von Kreislaufproblemen. Ich pflege eine freiwillige Selbstdisziplin, die ich schon nicht mehr Selbstdisziplin nennen kann, weil ich keinen anderen Weg sehe, mich zu benehmen. Und ich lebe gesund. Ich habe nie Alkohol getrunken und nie geraucht oder Drogen genommen. So ein Tugendpinsel wie ich muss eigentlich furchtbar langweilig sein. Aber ich hoffe, ich schaffe das zu überpudern.«

»Man muss sich für alles interessieren – aber man darf nie nur in eine Richtung gehen, man muss sich alle Türen offenhalten. Man darf seine Neugierde nicht verlieren, sonst geht die Energie weg. Und ein Fußtritt in den Po ist das Gesündeste, was man kriegen kann.«

»Ich spielte nicht mit anderen Kindern, ich fand Kinder grauenhaft. Das Einzige, was ich gemacht habe, war lesen und Sprachen lernen und zeichnen. Als Kind hatte ich nur einen Wunsch: erwachsen zu sein – und ernst genommen zu werden. Heute lege ich da keinen Wert mehr drauf.«

»Mein Vater war sehr seriös. Und ich bin auch sehr seriös – ich will aber nicht seriös wirken.«

»Ich mag nicht auf Geld sitzen. Es soll zirkulieren.«

»Man meint, wenn man schlampig ist, wirkt man jung. Aber das ist ein Fehler.«

»Meine Art, nett zu sein, grenzt schon an Gleichgültigkeit.«

»Es ist nicht so, dass ich mich gut finde, aber es könnte schlimmer sein.«

»Sehe ich aus wie jemand, der kochen kann? Ich kann eine Dose Cola light aufmachen und damit hat sich das.«

»Ein Selfie ist elektronische Masturbation.«

»Lady Diana war hübsch und irgendwie süß. Aber allen voran auch dumm.«

»Ich bin wie eine Karikatur meiner selbst und ich mag das. Es ist wie eine Maske. Und für mich ist das ganze Jahr über der Karneval von Venedig.«

»Ich bin wie ein Mode-Nymphomane, der nie zum Orgasmus kommt. Ich bin nie befriedigt.«

»Ich bin sehr geerdet, nur nicht auf dieser Erde.«

»Ich interessiere mich nur für mich selbst und mein Spiegelbild.«

»Man muss etwas Neues machen, wenn man den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen will.«

»Man lernt nur aus seinen Fehlern. Erfolg hat noch keinem geholfen.«

»Ich bestehe nur aus Egoismus. Ich bin keine Opfernatur.«

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