In deutschen Städten gilt nicht mehr das Recht des Staates, sondern das Recht der Clans:

Beuteland Deutschland

Wo die Clans das Sagen haben, ist der Staat machtlos (Archivbild): Die Gefährlichkeit krimineller Großfamilien in Deutschland wird immer noch unterschätzt

Wie ein Riesenkrake breiten arabische und türkische Clans ihre Fänge aus: Sie kassieren Hartz IV und scheffeln Millionen mit Drogenhandel, Betrug, Geldwäsche, Tabakschmuggel, Schutzgelderpressung, Raubüberfällen und sogar Auftragsmorden. In dieser Woche ist auch der Staatsfunk endlich aufgewacht.

Spektakuläre Überfälle auf Banken, Kaufhäuser, Museen und Geldtransporter; dazu Betrug, Drogenhandel, Geldwäsche, Tabakschmuggel, Schutzgelderpressung und manchmal auch Auftragsmorde:

Großfamilien arabischer und türkischer Provenienz, sogenannte Clans, kontrollieren zunehmend das organisierte Verbrechen und machen der italienischen und russischen Mafia immer mehr Konkurrenz.

Nachdem die öffentlich-rechtlichen Sender das Clan-Unwesen jahrelang ignoriert oder verharmlost hatten, sendete die ›ARD‹ am Montag die Dokumentation »Beuteland – Die Millionengeschäfte krimineller Clans«. Deutschland ist geschockt – so schlimm hatten es sich vor allem die Gutmenschen am TV-Gerät nun doch nicht vorgestellt.

Der Streit um das Beuteland Deutschland fordert Todesopfer: Beerdigung des im Sommer 2018 auf offener Straße erschossenen Clan-Mitglieds Nidal R. in Berlin

Dabei wissen die Sicherheitsbehörden schon lange, dass da »was aus dem Ruder« läuft. Die Zerschlagung krimineller Strukturen in Clans werde »nur noch in Teilen« möglich sein, warnte bereits 2004 ein vertraulicher Bericht des Bundeskriminalamtes (BKA) zu »ethnisch abgeschlossenen Subkulturen«.

Heute wird immer klarer: Politik und Sicherheitsbehörden haben die Gefahr, die von den Clans ausgeht, jahrelang unterschätzt. Und die neue Dimension der Clan-Kriminalität haben sie noch gar nicht erkannt!

Migranten rücken ins Visier der Polizei

Im Zuge der Ermittlungen gegen kriminelle Clans geraten immer öfter Migranten in den Fokus der Polizei, wie BKA-Präsident Holger Münch in der ›ARD‹ bestätigte. Es verwies auf eine steigende Anzahl von »tatverdächtigen Zuwanderern« in den Ermittlungsverfahren. Zwar gebe es noch keine verfestigten Strukturen, aber, so der BKA-Chef weiter: »In etwa einem Drittel der Verfahren sind auch Zuwanderer als Tatverdächtige aufgetaucht. Und das bedeutet, wir müssen das Phänomen weiter sehr genau im Auge behalten.« Man dürfe »solche Dinge nicht über Jahre laufen lassen. Das ist, glaube ich, die große Lehre, die wir aus den Entwicklungen der letzten 30 Jahre ziehen müssen«, mahnte Münch.

Clan-Familien schon so groß wie Lübeck

Dortmund, Köln, Essen, Bremen, Hamburg, Berlin: In deutschen Großstädten haben sich die Clan-Strukturen zu regelrechten Parallelwelten verdichtet. Hier gilt das »Recht der Familie«, nicht mehr das Recht des Staates. Auf bis zu 200.000 Personen schätzen Sicherheitsexperten mittlerweile die Zahl der Clan-Mitglieder bundesweit. Das ist die Dimension einer mittleren Großstadt wie Lübeck!

Erstmals geht das BKA in seinem jährlichen Lagebild zur Organisierten Kriminalität (OK) 2019 auch auf die Clan-Seuche ein. Die Zahlen sind nach Einschätzung von Experten nur die Spitze eines Eisberges:

Demnach wurden 2018 unter der Rubrik Clan-Kriminalität ► 654 Tatverdächtige erfasst, darunter ► 152 libanesische, ► 148 deutsche (eingebürgerte), ► 54 syrische und ► 52 türkische Staatsangehörige. ► Auffällig hoch ist der Anteil Tatverdächtiger mit ungeklärter Staatsangehörigkeit (37 Tatverdächtige). Das entspricht knapp einem Viertel der in allen 535 OK-Verfahren erfassten 160 Tatverdächtigen ungeklärter Herkunft.

Nadelstiche: Gelegentlich gelingt der Polizei ein Schlag gegen die Clans, wie hier bei einer Razzia gegen kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien in der Berliner Pohlstraße – doch schlägt man der Clan-Hydra einen Kopf ab, wachsen schnell zwei andere nach

Allein die Gruppierungen der Clan-Kriminalität verursachten dem BKA-Lagebild zufolge im vergangenen Jahr einen festgestellten Schaden in Höhe von rund 17 Millionen Euro. Und sie erwirtschafteten einen kriminellen Ertrag von etwa 28 Millionen Euro. Einen Großteil davon konnte der Staat allerdings vorläufig sichern – nämlich rund 22 Millionen Euro.

Das Lagebild betrachtet auch internationale Verbindungen auf diesem Feld. Die kriminellen Mitglieder der Clans sind laut BKA vor allem mit dem europäischen Ausland vernetzt, etwa mit Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Österreich.

Darüber hinaus unterhalten neun OK-Gruppierungen aus dem Bereich der Clan-Kriminalität Verbindungen zu anderen Tätergruppen, darunter in fünf Fällen zu Rockerbanden und in jeweils einem Fall zu anderen arabischstämmigen Clans beziehungsweise zu solchen aus den Westbalkan-Staaten.

Hohe Dunkelziffer

Clan-Kriminalität wird derzeit vorrangig in den davon stark betroffenen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie in den Stadtstaaten Berlin und Bremen bekämpft. Im Mittelpunkt stehen dabei besonders Personen libanesischer oder palästinensischer Herkunft, die der kurdischen Volksgruppe der Mhallamiye zugeordnet werden.

Die Wurzeln des Clan-Unwesens reichen zurück bis in die 80er-Jahre. Im Libanon tobt der Bürgerkrieg. In dessen Wirren geraten schließlich auch die Mhallamiye-Kurden. Viele von ihnen hatten Jahre vorher ihre Dörfer in der anatolischen Türkei verlassen und waren über Syrien in den Libanon ausgewandert. Jetzt fliehen die meisten vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Europa, vor allem nach Deutschland. Vor allem aus diesen Familien rekrutieren sich heute die Clans.

»Allah sei Dank«

Rashdiye, ein Dorf in der Provinz Mardin im Südosten der Türkei: Die etwa 700 Einwohner versammeln sich zu einer Beerdigung, darunter auch Mitglieder des Miri-Clans aus Deutschland. Hinter dem Friedhof entsteht ein Haus, das ein Verwandter aus Hannover baut. Das ganze Dorf lebt von Geld aus Deutschland. Von dort kommen immer wieder Verwandte zu Besuch – Brüder, Cousins, die Enkel. Ein alter Mann sagt: »Sie bekommen ja in Deutschland eine Art Gehalt.« Er meint die Sozialhilfe.

Dann preist der alte Mann Allah: »Unsere Situation hat sich deutlich verbessert. Meine Kinder besitzen Hotels, teure Autos und sogar eine Tankstelle. Zum Glück geht es uns jetzt sehr gut. Deutschland steht auf der Seite der Armen. Ich war drei Monate dort und habe auch dieses Gehalt bekommen. Wir haben uns dann einen Fernseher gekauft. Allah sei Dank!« (lol)

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