Neue Enthüllungen

War Anis Amris Komplize am
Terroranschlag in Nizza beteiligt?

Bilel Ben Ammar, der Freund des tunesischen Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri, könnte am Terroranschlag von Nizza, bei dem am 14. Juli 2016 86 Menschen getötet wurden, beteiligt gewesen sein. Die Bundespolizei hatte jedoch im November 2016 plötzlich nicht mehr nach Bilel Ben Ammar fahnden lassen. Drei Wochen später verübte der Dschihadisten- und Ammar-Freund Anis Amri am Berliner Weihnachtsmarkt einen Terroranschlag, der 12 Menschen das Leben kostete.

War der Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri (kleines Bild) auch in den verheerenden Terroranschlag in Nizza verwickelt? Was wissen deutsche Behörden?

Der tunesische Dschihadist Bilel Ben Ammar war ein Vertrauter des islamischen Terroristen Anis Amri. Nun deuten Recherchen des ›ARD‹-Magazins »Kontraste«, des ›RBB‹ und der ›Berliner Morgenpost‹ darauf hin, dass der 28-jährige Ammar am Terroranschlag von Nizza beteiligt gewesen sein könnte. Dem ›RBB‹ liegt laut Bild der Screenshot einer Boardingkarte für einen Flug von Schönefeld nach Nizza, datiert auf den 7. Juli 2016, vor. Das Ticket, das nicht auf den Namen des kurz vorher in seine Heimat abgeschobenen Ammar ausgestellt ist, hatten Ermittler auf dem Handy des 28-jährigen Moslems entdeckt. Möglicherweise, so das Rechercheteam, ist Bilel Ben Ammar also wenige Tage vor dem Attentat in die französische Hafenstadt geflogen. Dort wurden durch einen mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag – ausgeführt mit einem Lkw ­– 86 Menschen getötet und mehr als 400 zum Teil schwer verletzt.

Haben deutsche Behörden Ammars Beteiligung vertuscht?

Vor rund einer Woche äußerte das Nachrichtenmagazin Focus unter Berufung auf geheime Ermittlungsunterlagen den Verdacht, dass die deutschen Sicherheitsbehörden Ammar abschieben haben lassen, um dessen Verwicklung in den Anschlag – begangen durch Ammars Freund Anis Amri – zu vertuschen. Das Magazin berichtete weiter, dass Ammar ein Agent des marokkanischen Geheimdienstes DGST und bei dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz vor Ort gewesen sei. Es soll ein von den Behörden unter Verschluss gehaltenes Video existieren, das zeige, »wie eine Person mit dem Aussehen von Bilel Ben Ammar einem Mann mit einem Kantholz seitlich an den Kopf schlägt, um dem flüchtenden Amri den Weg freizumachen«. Der attackierte Mann liege bis heute im Koma. Zwei Stunden nach dem Anschlag habe Ammar zudem Fotos vom zerstörten Weihnachtsmarkt gemacht und an eine unidentifizierte Nummer geschickt.

Schon neun Tage nach dem Anschlag am Breitscheidplatz sei auf politischer Ebene die Entscheidung gefallen, Amris Freund und mutmaßlichen Helfer außer Landes zu schaffen. Grundlage der Entscheidung sei eine Nachricht der Islamismus-Abteilung des Landeskriminalamtes, die am 14. November 2016 an die Bundespolizei ging. Darin wird diese angewiesen, die Fahndung nach Bilel Ben Ammar zum 26. November einzustellen.

Unverantwortliche »Hilflosigkeit«

Welches einfache Spiel Bilel Ben Ammar hatte, zeigt seine Vita: 2014 reiste er mit anderen Tunesiern per Boot nach Italien und gelangte von dort über die Schweiz nach Deutschland. Hier stellte er unter mindestens zwölf Aliasnamen Asylanträge und gab sich hierbei abwechselnd als Marokkaner, Ägypter und Libyer aus. In Deutschland legten die Behörden Ammar diverse Straftaten zur Last, darunter Drogendelikte, Betrug und Diebstahl. Im November 2016 verurteilte ihn das Amtsgericht Tiergarten unter einem seiner Aliasnamen wegen bewaffneten Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, deren Vollzug zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bundespolizei fahndete im selben Jahr noch nach Bilel Ben Ammar, der im Jahr 2015 in einem Leipziger Asylbewerberheim angekündigt hatte, sich dem IS anschließen zu wollen. Diese Fahndung wurde, wie berichtet, dann auf Anweisung des Berliner Landeskriminalamtes eingestellt. Am 1. Februar 2017 wurde Ammar aus der Untersuchungshaft heraus nach Tunesien abgeschoben. Sein aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt. »Diese Nacht-und-Nebel-Aktion lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Bilel Ben Ammar sollte als Zeuge weder den Ermittlern noch dem Parlament zur Verfügung stehen«, mutmaßt nicht nur der FDP-Politiker Marcel Luthe, der auch Mitglied des Amri-Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses ist.

Gestern Verschwörungstheorie – heute brandgefährliche Realität

Der Erfolgsautor und ehemalige Polizist Stefan Schubert berichtete bereits im vergangenen Jahr in seinem ›Spiegel‹-Bestseller »Die Destabilisierung Deutschlands. Der Verlust der inneren und äußeren Sicherheit« über die geheimdienstlichen Verstrickungen rund um den islamischen Terroristen Anis Amri, dessen Spuren laut Schuberts Recherchen direkt ins Kanzleramt von Angela Merkel führen. Kritiker und Mainstream-Medien bezichtigten Schubert, Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Der Fall der Dschihadisten Amri und Ammar zeigt auf, in welchem brandgefährlichen Zustand sich Deutschlands Sicherheit befindet. Ebenso zu diesem Fazit kommt Dr. Stefan Meining, Terrorismus-Experte des ›Bayerischen Rundfunks‹ und Autor des Insiderberichts »Geheimakte Asyl. Wie die Politik in der Flüchtlingsfrage Deutschlands Sicherheit gefährdet«. Meining stellt fest: »Es ist ein Armutszeugnis: Niemand weiß, wer sich in Deutschland und Europa aufhält. Denn Hunderttausende kamen ohne Dokumente.« Basierend auf Interviews mit staatlichen Geheimnisträgern und auf geheimen Dokumenten kommt auch der öffentlich-rechtliche Terrorismus-Experte zu dem Schluss: Alles hängt mit allem zusammen. Die Flüchtlingspolitik mit der Integration, die Integration mit der Sicherheit und die Sicherheit mit der Stabilität der deutschen Demokratie.

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