Offene Grenzen für jedermann, eine Energiewende, die den Strompreis explodieren lässt, ohne das Weltklima zu beeinflussen, höhere deutsche Zahlungen an die EU, Zustimmung zu einer europäischen Einlagensicherung auf deutsche Kosten, ungedeckte Kredite der Bundesbank an den Euro-Raum (»Target 2«) von knapp einer Billion Euro – kurzum: eine Politik, die deutschen Interessen diametral zuwider läuft. Warum macht Merkel das?

Ist sie erpresst, bekommt sie Geld, spinnen geheime Mächte ihre Fäden? Ich befürchte, solche Erklärungsmuster führen in die Irre. So traurig es ist: Merkels Wahn ist deutsch.

Angela Merkel wuchs in einem protestantischen Pfarrhaus auf. Ihr Vater war der »rote Kaßner«, ein Pfarrer, der die Evangelische Kirche mit dem DDR-Sozialismus zusammenbringen wollte. Dank der Evangelischen Kirche hatte sie Zugang zum Linksprotestantismus westdeutscher Art, dank der Kollaboration ihres Umfeldes atmete sie kommunistischen Ungeist. Mit der Lebenswelt des Widerstandes gegen die SED hatte sie ebenso wenig zu tun wie mit dem Konservatismus der alten CDU. Die Erfahrungen der Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung – Jobwechsel, Existenzsorgen, Aufbruch ins Ungewisse – teilte sie nicht: 1990 war sie Bundestagsabgeordnete, ab 1991 Bundesministerin. Das Land, das sie regiert, lernte sie aus dem Fond einer Staatskarosse kennen.

Ihr Weltbild kennt keine Liebe zu Heimat, Tradition, Vaterland.

Sie ist Universalistin. Ihre Politik gilt jedem Individuum, gleich ob Bürger oder Fremder. Aktuell auf dem Weltwirtschaftsforum Davos sprach sie aus: »Solange Sie die Individualität jeder Person nicht in den Mittelpunkt stellen …, ist das Einfallstor für den Rechtspopulismus da.« Deshalb gibt es für sie keine Deutschen, sondern nur »Menschen, die schon länger hier leben«. Jeder hat ein Recht zu kommen, und wenn er »nun einmal da ist«, dann ist er eben da und wird gleichbehandelt. Zunächst im Sozialrecht, aber das Wahlrecht ist schon ins Auge gefasst.

Merkel lebt die Idee der vereinigten Welt.

Politik dient explizit nicht dem eigenen Volk und Land, sondern der ganzen Welt. Weil der Klimawandel ein globales Problem sei, fangen wir in Deutschland mit seiner Bekämpfung an; ob Deutschland dabei draufzahlt, ist egal. Weil der illegale Einwanderer ebenso ein Mensch ist wie der »hier schon länger lebende« Deutsche, ist er willkommen. Weil die Idee eines umfassenden Superstaates für sie erstrebenswert ist, zahlt sie jeden Preis, um den Euro, die Europäische Union oder die UNO zu erhalten.

Merkel macht keine Politik für Deutschland. Sie macht eine Politik für ihre Utopie einer besseren Welt; einer Welt, wie sie sich die Hippster, Hippies und Aktivisten in den globalen Metropolen vorstellen.

Einer Welt ohne Traditionen, ohne Nationen, ohne Geschichte.

Für diese Utopie opfert sie Deutschland: seinen Wohlstand, seine Kultur, seine in über 1.000 Jahren gewachsene Identität. Der Staatsphilosoph Carl Schmitt urteilte schon 1928 über solche Fantasten: »Wer von Menschheit spricht, der will betrügen.« Merkel betrügt zumindest sich selbst. Und dabei geht Deutschland zugrunde.


Dr. Maximilian Krah

ist Rechtsanwalt und ehemaliges Mitglied der CDU. Seit 2016 engagiert er sich in der AfD.

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