Wer steckt hinter dem Video-Attentat auf FPÖ-Chef Strache?

Altparteien geraten in Ekstase

In der Verschwörung gegen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gibt es mehr Fragen als Antworten. Klar ist nur: Der österreichische Vizekanzler trat umgehend von allen Ämtern zurück, was bei Altparteien-Politikern weiß Gott keine Selbstverständlichkeit ist.

»Es war dumm, es war unverantwortlich und es war ein Fehler.« Heinz-Christian Strache (FPÖ) erklärt vor der Presse seinen Rücktritt als Vizekanzler der Republik Österreich

Österreich steht vor Neuwahlen. Die Linksfront nicht nur in Österreich wittert eine Woche vor der Europawahl Morgenluft und gerät geradezu in ekstatische Verzückung.

Die Regierungskrise in Wien Krise wurde ausgelöst durch ein von ›Süddeutscher Zeitung‹ und ›Spiegel‹ veröffentlichtes heimlich aufgezeichnetes Video. Es stellt Strache bloß. Ganz offensichtlich war der FPÖ-Chef in eine Falle gelockt worden.

Das inszenierte, zwei Jahre (!) alte Video kam eine Woche vor der Europawahl wie gerufen – oder besser: wie bestellt. Auf dem Video sieht man, wie Strache vor der Nationalratswahl im Oktober 2017  in einer verwanzten Villa auf Ibiza mögliche Auftragsvergaben durch eine neue national-konservative Regierung erörtert – im Gegenzug für Wahlkampfhilfe. Als Lockvogel fungierte eine Frau, die Strache als »Aljona Makarowa« vorgestellt wurde, vorgeblich die Nichte von »Igor Makarow«, einem angeblichen russischen Oligarchen.

»Gezieltes politisches Attentat«

Strache trat unmittelbar nach der Veröffentlichung des sogenannten Skandal-Videos von allen Ämtern zurück und entschuldigte sich für sein Fehlverhalten. Während europaweit Altparteien-Politiker und Mainstream-Medien über die peinlichen und nicht zu billigenden Äußerungen Straches sich in eine orgasmusähnliche Erregung steigern, geht der eigentliche Skandal völlig unter:

Wie kam es zu dem kompromittierenden Video, wer sind die Hintermänner dieses mit geheimdienstlichen Mitteln inszenierten Drehs?

Strache selbst sprach in seiner Rücktrittserklärung von einem »gezielten politischen Attentat«. Das Video sei inszeniert und niederträchtig. Der FPÖ-Politiker kündigte strafrechtliche Ermittlungen an. Seinen Angaben zufolge wurde der »private Abend« auf Ibiza monatelang von den Lockvögeln vorbereitet.

Der FPÖ-Politiker räumte ein: »Es war dumm, es war unverantwortlich und es war ein Fehler.« Im Laufe des Treffens habe er unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden. Das Video sei »ausgesprochen peinlich«. Er entschuldigte sich öffentlich bei seiner Ehefrau.

Strache deutete an, dass der deutsche »Satiriker« Jan Böhmermann in die Affäre verstrickt sein könnte.

Böhmermann und das Video

Fest steht: Jan Böhmermann kennt das inkriminierte Video bereits »seit Wochen«, wie sein Management bestätigte. Woher der »Satiriker« die Aufnahmen kannte, wisse er nicht, erklärte sein Manager, der zugleich dementierte, dass die Aufnahmen Böhmermann angeboten worden seien.

Böhmermann hatte indes bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises »Romy« in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht. Dabei erwähnte er die ›Kronen-Zeitung‹, Ibiza und eine »russische Oligarchen-Villa«. Danach war Böhmermann von österreichischen Medien attackiert worden.

Auch Gudenus tritt zurück

Kurz nach Strache kündigte auch der FPÖ-Fraktionschef im Nationalrat, Johann Gudenus, seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern an. Er wolle sein »tiefstes Bedauern über die zwei Jahre zurückliegenden Vorkommnisse zum Ausdruck bringen«, erklärte Gudenus, der bei dem Treffen auf Ibiza als Dolmetscher fungiert hatte.

Noch am Samstagabend kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Neuwahlen an: »Genug ist genug.« ÖVP und FPÖ regieren seit Dezember 2017 gemeinsam. Die Methode, also das heimliche Aufnehmen solcher Videos, sei zwar »verachtenswert«, so Kurz, aber der Inhalt »ist wie er ist«. Was über ihn selbst in dem Video gesagt werde sei »eigentlich nebensächlich«.

Einen Termin für Neuwahlen gibt es noch nicht, aber der linksgrüne Bundespräsident Alexander Van der Bellen macht schon mal Stimmung: »Die Bilder, die uns seit gestern erreichen, zeigen ein verstörendes Sittenbild.«

Altparteien kriegen sich gar nicht mehr ein

Die deutsche Politik überschlug sich geradezu ekstatisch mit Reaktionen auf den Rücktritt Straches. SPD und Grüne verlangten unter unverhohlener Einmischung in die inneren Angelegenheiten Österreichs Neuwahlen, noch ehe Bundeskanzler Kurz diese ohnehin ankündigte. Die CDU warnte vor »den Rechtspopulisten in Europa«.

Allen voran in der Einheitsfront des politisch-medialen Komplexes marschierte die Masseneinwanderungskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Auftritt in Zagreb. Sie forderte angesichts der Regierungskrise in Österreich einen »entschiedenen Kampf gegen Rechtspopulismus« Europa sei eine Vereinigung von Ländern, die sich entschlossen hätten, auf einer »gemeinsamen Wertebasis zusammenzuarbeiten«. Merkel weiter wörtlich: »Wir haben es mit Strömungen, populistischen Strömungen zu tun, die in vielen Bereichen diese Werte verachten, die das Europa unserer Werte zerstören wollen. Dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen.«

Der Merkel-Klon Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte, das Strache-Video zeige, dass »Rechtspopulisten« bereit seien, das Interesse ihres Landes für »ein Butterbrot« zu verkaufen.

SPD-Chefin Andrea Nahles und der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck waren sich schnell einig: In Österreich müsse es Neuwahlen geben.

Natürlich gab auch SPD-Linksvize Ralf Stegner seinen unerträglichen Senf dazu: »Das Skandalvideo um FPÖ Chef Strache zeigt die Dummheit und moralische Verkommenheit der Rechtsradikalen, wie wir das überall zu sehen bekommen. Korrupt, undemokratisch, gefährlich.« Grünen-Chefin Annalena Baerbock sprach in der ›Welt am Sonntag‹ von einem »ungeheuerlichen Skandal«.

AfD spricht von »singulärer Angelegenheit«

Besonnen reagierte die AfD. Die »Alternative für Deutschland« hält trotz der Video-Affäre in Österreich zur FPÖ. »Die FPÖ ist uns ein enger Partner«, sagte AfD-Chef Jörg Meuthen am Rande einer Kundgebung europäisch-patriotischer Parteien in Mailand. Es handele sich um eine »singuläre Angelegenheit«. Er werde der österreichischen Partei nun nicht »in den Rücken fallen«, betonte Meuthen. (hh/lol/oys)

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