»World Congress of Families« in Verona

Matteo Salvini: »Angela Merkel schadet Europa und Deutschland«

Er kam, sah und siegte: Weißes, offenes Hemd, das T-Shirt mit dem Motiv »Vater, Mutter, Kind« leger über die Schulter geworfen, strahlendes zupackendes Lächeln – Italiens Innenminister Matteo Salvini (46, Lega) war der Star beim »Weltkongress der Familien« am vergangenen Wochenende im norditalienischen Verona. Und er hatte auch eine Botschaft für die Leser des Deutschland Kurier (DK).

Italiens Innenminister Matteo Salvini (Lega) war der Star beim »Weltkongress der Familien« in Verona

Unter dem Motto »Wind of Change« trafen sich vom 29. bis 31. März in Verona rund 3.000 Lebensschützer, Katholiken, Evangelikale, Orthodoxe, Konservative und Patrioten aus mehr als 100 Ländern zum achten »Weltkongress der Familien«. Unbeeindruckt vom Geschrei linker Gegendemonstranten und sogenannter Frauenverbände demonstrierten 10.000 Menschen auf den Straßen der norditalienischen Stadt Verona für eine familienfreundliche Politik, ein traditionelles Familienbild ohne Gender-GaGa und Homo-Ehe und gegen die seit den 70er-Jahren in Italien geltenden Abtreibungsgesetze. Sechs Millionen Kinder seien seither getötet worden, beklagte Massimo Gandolfini, Präsident des katholischen Verbands »Family Day«.

Hasserfüllt, doch wirkungslos: Linke und linksradikale Gegendemonstranten versuchten – ohne Erfolg – den Kongress zu stören
»Wind of Change«: Etwa 10.000 Menschen gingen in Verona für eine familien- und kinderfreundliche Politik auf die Straße

Ausgerichtet wird der Kongress regelmäßig von internationalen christlichen Organisationen und Familienverbänden vor allem aus den USA, aber auch aus Europa. Gefördert wird das Treffen von einem Netzwerk katholisch-konservativer und evangelikaler Prägung, das dezidiert gegen Abtreibung und Homo-Ehe eintritt. Ziel ist es, konservative Akteure weltweit zu vernetzen und so den linken Netzwerken Paroli zu bieten.

Der Kongress in Verona feierte den italienischen Innenminister und Chef der konservativen Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, wie einen Helden. In seinem leidenschaftlichen Grußwort sprach sich der Lega-Chef ausdrücklich für mehr Unterstützung heterosexueller Paare aus. Vor allem ihnen müsse der Staat helfen, mehr Kinder zu bekommen, sagte der gläubige Katholik Salvini und sah dabei auch die Regierung in Rom »in der Pflicht«.

Stehende Ovationen und donnernder Beifall, als Salvini ausrief: »Wenn jemand ein Problem damit hat, dass es Mama und Papa heißt und nicht Elter 1 und Elter 2, dann ist es sein Problem, nicht unseres!« Er werde sein Leben lang gegen den Irrsinn der Gender-Ideologie kämpfen. Italien brauche Kinder.

Matteo Salvini: »Wenn jemand ein Problem damit hat, dass es Mama und Papa heißt und nicht Elter 1 und Elter 2, dann ist es sein Problem, nicht unseres«
Unter stehenden Ovationen hält Salvini eine leidenschaftliche Rede für die traditionelle Familie

Prominente Teilnehmer waren neben dem Lega-Chef u. a. die ungarische Familienministerin und stellvertretende Parteivorsitzende von Viktor Orbáns Fidesz-Partei, Katalin Novak; der Generalsekretär der französischen Rassemblement National (RN); aus Deutschland die katholische Aktivistin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sowie der AfD-Europawahlkandidat und Deutschland Kurier-Kolumnist Maximilian Krah. Während das Treffen und die dort behandelten Themen auf fast allen italienischen TV-Kanälen ein Hauptthema waren, berichteten deutsche Mainstream-Medien – wie immer bei solchen Anlässen – vor allem über die linken Gegenaktionen und Hassaufmärsche »emanzipatorischer Kräfte«.

Deutschland Kurier – Chefredakteur David Bendels (2.v.re.) und Europawahlkandidat Maximilian Krah (re.) im Gespräch mit Matteo Salvini, links Dolmetscher Enzo Dionisio
David Bendels (li.) mit Matteo Salvini

Am Rande des Kongresses hatten Deutschland Kurier-Chefredakteur David Bendels und DK-Kolumnist Maximilian Krah Gelegenheit, mit Matteo Salvini zu sprechen. Enzo Dionisio, Mitarbeiter von Bendels und Krah, Fan und Landsmann Salvinis, dolmetschte das Gespräch:

Deutschland Kurier: »Herr Minister, Ihre Partei, die Lega, besitzt eine große Zustimmung in Italien. Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Partei bei der Europawahl am 26. Mai ein?«

Matteo Salvini: »Die Lega wird großen Erfolg haben, der Zuspruch ist groß in Italien. Unsere gesamte Politik ist auf das Wohl der normalen, braven und hart arbeitenden italienischen Bürger ausgerichtet. Als stellvertretender Ministerpräsident Italiens will ich am Ende meiner fünfjährigen Amtszeit danach beurteilt werden, ob die Italiener wieder mehr Sicherheit und Jobs haben und damit beginnen, wieder Babys zu bekommen, denn ein Land ohne Babys ist ein Land im Sterben.«

DK: »Hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Europa mit ihrer Politik gespalten?«

Salvini: »Frau Merkel verfolgt ihre Interessen und ich die meinen. Für mich kommen die Italiener und das Land an erster Stelle. Aber mit Verlaub: Ich denke, dass Frau Merkel mit ihrer unverantwortlichen Masseneinwanderungspolitik Deutschland und Europa schadet.«

Mit Blick auf die Zukunft Europas erklärte Salvini:

»Ich kämpfe für ein starkes, sicheres und prosperierendes Italien in einem Europa der freien und unabhängigen Vaterländer. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich die patriotischen Kräfte europaweit vernetzen. Wir brauchen eine patriotische Allianz der europäischen Völker und Nationen.«

Wie ernst es Salvini damit ist, bewies er noch während des Kongresses. Er traf sich mit dem Europa-Kandidaten der französischen RN (vormals »Front National«) Nicolas Bay und dem AfD-Europa-Kandidaten Maximilian Krah. Zeit nahm sich der Minister auch für ein ausführliches Gespräch mit der ungarischen Fidesz-Vertreterin.

Maximilian Krah zog ein durchweg positives Resümee: »Die Begegnungen mit Matteo Salvini, Nicolas Bay und Katalin Novak waren für mich ermutigend: Sie zeigen, dass wir in Europa nicht allein stehen und es eine breite Koalition des gesunden Menschenverstandes gibt. Matteo Salvini ist eine europäische Leitfigur für uns Konservative; er steht für ein Europa der Vielfalt, der Tradition und der Vernunft. Und das mit Charme und Esprit. Ich freue mich, dass wir so einen starken Verbündeten haben. Wir wollen die EU verändern, und nach dem Treffen in Verona weiß ich, dass es uns gelingen kann, denn wir stehen nicht allein.«

Er kam, sah und siegte: Der italienische Innenminister war der Star des Familienkongresses
Riesiger Medienandrang bei der Pressekonferenz
Voller Saal, beste Stimmung: Matteo Salvini hält in Verona ein flammendes Pladoyer für eine kinderfreundliche Familienpolitik

FAZIT: Es wehte tatsächlich ein »Wind of Change« an diesem Wochenende durch die mittelalterlichen Mauern Veronas. Salvini arbeitet unübersehbar an dem Ziel einer gemeinsamen großen Fraktion im neuen Europaparlament. Rückenwind verspürt er durch Umfragen, nach denen die patriotisch-konservativen Parteien in Europa auf dem Vormarsch sind und alle Chancen haben, mindestens zweitgrößte politische Kraft im neuen Europaparlament zu werden. (ruj)

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